Vom städtischen Bauhof verlegt

Feierliche Einweihungen 14 weiterer Stolpersteine am 14. Juni 2018

Nicht zum ersten Mal  wurden Stolpersteine vom Bauhof der Stadt verlegt und von uns "nur" noch eingeweiht: eine Verlegung in "Eigenregie" ohne Gunter Demnig selbst, der zuletzt im März bei uns war und bei dem von ihm selbst vorgenommenen Verlegungen gleichfalls auf die Vorarbeiten des Bauhofes zurückgreifen konnte. Für die solidarische und reibungslos funktionierende Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt bedanken wir uns ganz herzlich.

In der Mittelgasse erinnern nun fünf Steine an die jüdische Familie Knopf, von der nur einer überlebte, und zwei Steine an Erna und Willi Paul, die politischen Widerstand geleistet hatten, aber überlebten. Das Ehepaar Katz in der Gießbergstraße 1 überlebte den Völkermord ebenso wenig wie - bis auf einen Sohn - die jüdische Familie London aus der Schillerstraße 7. In der Quellhofstraße 20 erinnert ein Stein nun an den Zeugen Jehovas Otto Friedrich, der wegen seiner Überzeugung mehr als acht Jahre inhaftiert war.

Philipp Hoffmann begleitet die Verlegung der Steine für die Familie Knopf musikalisch.

Jürgen Strube und Margrit Stiefel erläutern die Familiengeschichte.

Verlegung für Erna und Willi Paul vor dem Haus Mittelgasse 8 (früher 22) - Wolfgang Matthäus erläutert die Biografie

Verlegung für das Ehepaar Katz, Jochen Boczkowski erläutert die Biografien

Der Kantor der jüdischen Gemeinde Jakov Axenrod spricht ein Gebet - Gudrun Schmidt weiht die Steine mit Blumen und Kerzen ein

Schülerinnen des Wilhelmsgymnasiums singen zur Verlegung des Steins für ihren ehemaligen Schüler Hans Joachim London.

Ulrike Neyer trägt die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherchen zur Familie London vor.

Zahlreiche Zeugen Jehovas begleiteten die Verlegung des Steins für Otto Friedrich  - auch musikalisch mit "Liedern für Jehova"

Wilfried Siegner (2. von links) erläuterte Otto Friedrichs Biografie

Mitgliederversammlung am 7.6.2018

Auf ein an Aktivitäten reiches Jahr konnte der Verein bei seiner diesjährigen Mitgliederversammlung zurückblicken. Im Vordergrund standen dabei die Verlegungen von 88 Steinen an insgesamt 26 verschiedenen Orten, die häufig im Beisein von Nachfahren verfolgter Menschen erfolgten, die aus der ganzen Welt angereist waren.

Darüber hinaus verfolgte der Verein sein Anliegen durch eine ganze Reihe von Veranstaltungen wie Vorträgen, Lesungen und Stadtspaziergängen, zudem war er maßgeblich an der Herausgabe der Lebenserinnerungen der Kasseler Jüdin Frieda Sichel beteiligt. Er ist damit nur wenige Jahre nach seiner Gründung zu einem wichtigen Akteur des Erinnerns und Gedenkens in der Stadtgesellschaft geworden, der von der Recherche der Biografien Verfolgter bis zur Pflege der verlegten Steine zahlreiche Menschen zusammenbringt. Dazu trägt die Webseite des Vereins hilft wesentlich bei.

Bei den Vorstandswahlen wurden Jochen Boczkowski, dessen Engagement besonders gewürdigt wurde, als Vorsitzender, Norbert Sprafke als sein Stellvertreter, Gudrun Schmidt als Schriftführerin, Jürgen Strube als Kassierer, Frank-Matthias Mann und Wolfgang Matthäus als Beisitzer wiedergewählt. Neu im Vorstand ist Ulrike Neyer als Beisitzerin.

Stolpersteine markieren Spuren jüdischen Lebens

Spuren jüdischen Lebens aufzusuchen, war das Thema von vier Stadtspaziergängen, die unser Verein in Kooperation mit den Vereinen Kassel-West und Gegen Vergessen - Für Demokratie an vier Samstagen im Mai 2018 durchführte und die auf reges Interesse stießen. Da Zeugnisse jüdischen Lebens in der Stadt weitgehend zerstört wurden, spielten Stolpersteine für jüdische Verfolgte eine besondere Rolle - wie der für  Lehmann Tannenbaum vor der Post-Apotheke (Fotos).

Mit der Anteilnahme zahlreicher Nachfahren ...

.. fand die Verlegung weiterer Stolpersteine am Donnerstag, 24. Mai 2018, statt - darunter die für den 200. Stein in Kassel. Die HNA berichtete am Tag darauf und am Samstag über die Verlegung in der Friedrich-Engels-Straße 26 für Helene und Siegfried Pincus.

Fotos von dieser und den anderen drei Verlegestellen hier.

Die Verlegung in der Friedrich-Ebert-Straße 43 war dem Kommunisten Justus Krug gewidmet, der sich 1935 in der Untersuchungshaft im Polizeipräsidium am Königstor - nur wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt - der weiteren Verfolgung durch Freitod entzog.

Zu der Verlegung von Steinen für Gertrud Oppenheim und ihre Kinder in der Sternbergstraße waren wiederum zahlreiche Nachfahren aus dem Ausland angereist.

Der in der Nähe von Darmstadt wohnende Manfred Menges, hatte es nicht so weit, um zusammen mit seiner Frau an der Stolpersteinverlegung für seinen von den Nazis hingerichteten Vater teilzunehmen.

 

"So bleibt die Erinnerung wach" -39 weitere Stolpersteine

… verlegte Gunter Demnig am 5. März 2018 an neun Stellen  - fast ausschließlich im Stadtteil Wesertor. Ein besonderes Ereignis war dabei unter anderem das Zusammentreffen des in England lebenden Manfred Goldberg mit seinem ehemaligen Kasseler Schulkameraden an der jüdischen Schule Werner Golnik. Beide waren am 9. Dezember 1941 mit ihren Familien nach Riga deportiert worden, beide verschleppte man später in das KZ Stutthof bei Danzig. Nach mehr als 70 Jahren trafen sich die Überlebenden zur Verlegung von Stolpersteinen für Manfred Goldbergs Familie zum ersten Mal wieder. Die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtete auf der ersten Seite.

 

HNA vom 6. März 2018 (im Text steht irrtümlich 1936-1943 statt 1936-1941)
HNA vom 6. März 2018 (im Text steht irrtümlich 1936-1943 statt 1936-1941)

Eine Besonderheit war sicherlich auch, dass der Shalom Chor  Berlin am Vorabend der Stolpersteinverlegungen im Zusammenhang mit der Ausstellung  „Leben nach dem Überleben“ ein beeindruckendes Konzert in der überfüllten Synagoge gab, dem die beiden Überlebenden beiwohnten. Vermittelt war das Konzert durch das Chormitglied Pedro Elsbach, für dessen Familie am nächsten Tag gleichfalls Stolpersteine verlegt wurden. Auch dabei sang der Chor.

Ungewöhnlich war zudem, wie am Bürgipark an der Mönchebergstraße gleich zehn künftig unübersehbare Stolpersteine für die kinderreiche Familie Treiser unter dem Beisein mehrerer Nachfahren verlegt wurden. „So bleibt die Erinnerung wach“, sagte der in Tel Aviv lebende Gil Treiser, der die Stolpersteine für seine Familie angeregt hatte.

Der Verlegung des Steins für den Sozialdemokraten Richard Hauschildt, den die Nazis in den Tod getrieben hatten, wohnten Mitglieder der Familie Wittrock und eine ganze Reihe von heutigen Funktionsträgern der Partei bei.

In fast allen Familien, an die nun Steine erinnern, waren auch Kinder, die der Verfolgung zum Opfer fielen - eine Gruppe, der sich ein Arbeitsgruppe innerhalb des Vereins in besonderem Maße verpflichtet fühlt und deren Schicksale aufklärt. Besonders berührend war es deshalb, wie - nicht zum ersten Mal - Kinder der Unterneustädter Schule an Stolpersteinverlegungen teilnahmen und sie mitgestalteten. Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Integrationskurses für Migranten lernten am Möncheberg viel über die Geschichte ihrer neuen Heimat und darüber, wie diese mit ihr umgeht.

 

Gunter Demnig verlegte Steine für Mitglieder der jüdischen Familien Treiser, Ehrlich, Elsbach, Gipfel, Goldberg, Rosenberg, Möllerich und Sommer. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde und ihr Kantor begleiteten dies. Ein Stein erinnert an den politisch Verfolgten Richard Hauschildt.

 

 

Gunter Demnig mit Familie Treiser und dem Vorsitzenden Jochen Boczkowski - Kinder der Unterneustädter Grundschule

Elena Padva vom Sara Nussbaum Zentrum - Wolfgang Bahr zeigt Fotos der Kinder der Familie Ehrlich - Der Kantor der jüdischen Gemeinde Jakow Axenrod und das Gedenkblatt für die Familie Rosenberg

Der Shalom Chor Berlin bei der Verlegung für die Familie Elsbach - Zeremonie für die Familie Goldberg mit Manfred Goldberg in der Mitte

weitere Fotos von den Verlegungen am 5.3.2018 hier

Die Erinnerung pflegen

Aktionen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus - 27.1.2018

Das Echo zu unserem Aufruf, wie in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus die Steine zu pflegen, zu schmücken und dies für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, war überwältigend. Kein Stolperstein, für den sich nicht jemand gefunden hätte, die Verantwortung für ihn zu übernehmen. Das kann hier nicht vollständig dokumentiert werden.

Eine besondere Aktion hatte sich das Friedrichsgymansium als Patin einer ganzen Reihe von Steinen ausgedacht: Das Putzen der Steine bei einem Rundgang wurde verbunden mit biografischen Informationen, aber auch mit Lesungen aus literarischen Texten.

Der Chefdramaturg des Staatstheaters und stellv. Intendant, Michael Volk, polierte die Steine vor dem Opernhaus.

 

Vier Stolpersteine und ein Buch

Vier Stolpersteine vor der Malsburgstraße 12 erinnern an Frieda Sichel und ihre Familie.

 

Frieda Sichel stammte aus Kassel und wuchs hier auf. Die NS-Herrschaft zwang sie zur Emigration nach Südafrika. Als eine der ersten Studentinnen der Stadt und promovierte Nationalökonomin war sie hier wie dort sozial und insbesondere in der jüdischen Selbsthilfe engagiert. Mit weit über 80 Jahren schrieb sie 1975 ihre Lebenserinnerungen „Challenge of the Past. Im gleichen Jahr wurde sie zu den 20 wichtigsten Frauen Südafrikas gezählt.  

 

Unter dem Titel „Die Herausforderung der Vergangenheit“  erscheint ihr Lebensbericht nun mehr als 40 Jahre später endlich in einer sorgfältig edierten Übersetzung auf Deutsch. Stolpersteine in Kassel war maßgeblich daran beteiligt. Zusammen mit Cornelia Wenzel vom Archiv der deutschen Frauenbewegung bearbeitete und kommentierte Wolfgang Matthäus die deutsche Ausgabe, der Verein übernahm einen erheblichen Teil der Druckkosten.

 

Am 7. Dezember 2017 wurde das Buch in einer gemeinsamen  Veranstaltung des Archivs der deutschen Frauenbewegung und der Vereine Kassel-West und Stolpersteine in Kassel in der Kirche im Hof der Öffentlichkeit vorgestellt. Es gibt Aufschluss über die Geschichte, die hinter den Stolpersteinen steht.

 

Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

   

Stadträtin Dr. M. Wilde-Stockmeyer - Wolfgang Matthäus - Publikum - Eva Schulz-Jander (Übersetzerin) - Cornelia Wenzel (alle Fotos: Andreas Schmitz - Kassel-West e. V.)

 

9. November 2017  Putz- und Gedenkaktionen an allen Stolpersteinen in Kassel  (8 Beispiele)

Zur Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 (in Kassel schon zwei Tage früher) haben wir in einer konzertierten Aktion alle bisher in Kassel verlegten Stolpersteine wieder auf Hochglanz gebracht und dabei die Personen und deren jeweiligen Schicksale in kleinen Gedenkfeiern noch einmal in Erinnerung gerufen.

 

Durch Klicken auf die Bilder wird man auf die Seiten der jeweiligen Schicksale weiter geleitet.

 

Im Zeichen der Kinder

Stolpersteinverlegungen am 28. September 2017

Zahlreiche Menschen begleiteten die vier Verlegungen am 28. September, die ganz im Zeichen von Kindern standen, die mit ihren Familien am 9. Dezember 1941 nach Riga deportiert wurden: das jüngste unter ihnen drei Jahre alt.

 

Die kleinen Zeremonien am Stern für die Familie Kaufmann und am Grünen Weg für die Familie Stiefel fanden eine würdige musikalische Umrahmung durch Helmut Schäfer mit seiner Posaune. Am Grünen Weg – vor der Zentrale des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge - betonte dessen Generalsekretärin, Daniela Schily, die Erinnerungs- und Friedensarbeit ihrer Organisation und die Bedeutung des Riga-Komitees. In der Landaustraße trug Elena Padva vom Sara Nussbaum Zentrum eindrucksvoll und anrührend ein im Ghetto Theresienstadt entstandenes Lied für Kinder vor, das die Verlegung der Steine für die Familie Blättner abschloss. Bei der erstmaligen Verlegung eines Stolpersteins im Stadtteil Oberzwehren sprachen auch Gäste aus Eschwege und Treysa (Hephata), zwei Lebensstationen Richard Altschuls, an den der Stein dort erinnert. Markus Zosels zur Gitarre vorgetragenes Lied regte zum Nachdenken über die Gegenwärtigkeit von Ausgrenzung, Hass und Vernichtung an.

 

Angesichts aktueller bedrohlicher Tendenzen zur „Entsorgung“ der Vergangenheit – bis hin zur Rehabilitierung eines Vernichtungskrieges - verstanden sich die Stolpersteinverlegungen an diesem Tag in besonderem Maße als ein  Beitrag dazu, diesen wirksam und öffentlich entgegenzutreten.

Oben: Am Stern. Margrit Stiefel erläutert die Geschichte der Familie Kaufmann - Grüner Weg: Familie Stiefel, erläutert von Margrit Stiefel

Mitte: Landaustraße. Jürgen Strube stellt die Familiengeschichte vor. Links Nachbarinnen, die mit den ermordeten Kindern gespielt hatten. - Verlegung für Richard Altschul

Unten: Markus Zosel - Helmut Schäfer - Daniela Schily

weitere Fotos hier

Neu: Stadtplan der Erinnerung

Wo gibt es in Kassel Mahnmale, Gedenktafeln und –steine, wo setzt sich Kunst im öffentlichen Raum mit den Opfern der NS-Herrschaft auseinander, wo wird auf Friedhöfen ihrer gedacht und vor welchen Häusern liegen Stolpersteine?  Auf diese Fragen gib der im September erschienene „Stadtplan der der Erinnerung an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft“  Auskunft.  Er ergänzt die 2008 herausgegebene Broschüre „Orte der Erinnerung und Mahnung“ von Dietfrid Krause-Vilmar.

Der thematische Stadtplan wurde von Stolpersteine in Kassel initiiert sowie inhaltlich erarbeitet und vom Amt für Vermessung und Geoinformation der Stadt erstellt und in Zusammenarbeit mit uns herausgegeben. Er ist gegen eine Schutzgebühr von 0.50 € beim Amt für Vermessung und Geoinformation in der Sickingenstraße 7 erhältlich, demnächst auch im Stadtarchiv, dem Stadtmuseum, der Gedenkstätte Breitenau und dem Sara Nussbaum Zentrum. Vereinsmitglieder erhalten ihn kostenlos über den Verein.

Der Plan soll nach zukünftigen Verlegungen von Stolpersteinen aktualisiert werden.

 

Stadtplan der Erinnerung an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft

Herausgeber: Stadt Kassel in Zusammenarbeit mit dem Verein Stolpersteine in Kassel

Redaktion: Wolfgang Matthäus, Jochen Boczkowski, Jürgen Strube

Kartographie und Layout: Stadt Kassel, Vermessung und Geoinformation

1. Auflage 2017

 

Ausschnitt Innenstadt aus dem Stadtplan der Erinnerung an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft
Ausschnitt Innenstadt aus dem Stadtplan der Erinnerung an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft
HNA 29.11.17
HNA 29.11.17

Neue Stolpersteine und eine Wiederverlegung am ersten September 2017

Zahlreiche Menschen wohnten den Verlegungen von acht neuen und der Wiederverlegung von drei Stolpersteinen am geschichtsträchtigen Datum des 1. September bei, darunter Schülerinnen und Schüler der Unterneustädter Grundschule und des Goethegymnasiums, lokale Prominenz aus der Politik sowie die Geschäftsleitung der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt. Der Stein vor dem Goethegymnasium nimmt den 1935 aus dem Schuldienst entlassenen ehemaligen Kollegen Dr. Otto Heß symbolisch wieder in die Schulgemeinschaft auf, wie der Schulleiter die Verlegung charakterisierte.

Fünf Steine dort, wo sich einst das Haus Moritzstraße 13 befand, erinnern an das Schicksal der jüdischen Familie Gewerter. Dem kommunistischen Ehepaar  Hildeburg und Erich Weinert sind die Steine vor der Schöfferhofstraße 2 gewidmet. Den ehemaligen Reichstagsabgeordneten Michael Schnabrich würdigt ein Stein vor der Holländischen Straße.

Die drei Steine vor der Rothenburger Straße 22 für Klara, Marianne und Emil Ernst wurden wiederverlegt, nachdem sie eine Zeitlang auf Grund von umfangreichen Sanierungsarbeiten ausgebaut waren.

 

Oben: Verlegung für Familie Ernst mit dem Ortsvorsteher Hans Roth, dem GWG-Geschäftsführer Peter Ley und dem Vereinsvorsitzenden Jochen Boczkowski - Gudrun Schmidt und Jürgen Strube schildern das Schicksal der Familie Gewerter

Mitte: Vor dem Goethegymnasium

Unten: Verlegung der Steine für das Ehepaar Weinert - Timon Gremmels erläutert die Biografie von Michael Schnabrich

Stolpersteine vermitteln Orientierungswissen über Deutschland

Die Idee kam aus dem Zukunftsbüro der Stadt: Junge Menschen, die auf der Suche nach einer neuen Heimat in Deutschland sind, sollten an konkreten Beispielen erfahren, was den Wert einer Demokratie ausmacht und was es bedeutet, wenn sie zerstört wird. Ihr Integrationskurs am VBSF e. V., der über einen ersten Sprachkurs hinaus mit Basiswissen über Deutschland auch eine erste Orientierung anbietet, sollte mit dem Angebot eines Stadtspaziergangs – vor allem auch entlang von Stolpersteinen – ergänzt werden.

Unser Verein kam der entsprechenden Bitte gerne nach. Der Spaziergang am 18. Juli 2017 führte zu verschiedenen Stolpersteinen, bezog aber auch auf dem Friedrichsplatz ganz aktuell mit dem Parthenon der Bücher die documenta ein. Hier waren am 19. Mai 1933 Bücher verbrannt worden.

Vor den Stolpersteinen an der Karthäuserstraße 5a für Kurt Finkenstein und Caroline Weingarten. Eine Kursteil-nehmerin liest die Inschrift auf dem Stein für Kurt Finkenstein vor. (Fotos: Martina Schwarz-Eull)

 

Bericht der Stadt Kassel

 

Bericht von der Jahreshauptversammlung vom 29.6.2017

bei TERMINE und AKTUELLES einsehbar

 

Stimmungsvolle  Einweihung neuer Stolpersteine  23.5.2017

Meint wohl auch Gunter Demnig, der kurz innehält und andächtig zuhört.

 

 

 

 

Weitere Fotos von der Verlegungsaktionen findet man hier. Die Biografien für die NEUEN sind bereits (größtenteils) eingestellt.  Wo sie noch fehlen, bitte ich die Verantwortlichen, mir die entsprechenden Gedenkblätter zu schicken.

Auf den Spuren des Großvaters

oder: Wie es zu einer Stolpersteinverlegung kommen kann

Miriam Lurie und Jochen Boczkowski am Gedenkort im Hauptbahnhof
Miriam Lurie und Jochen Boczkowski am Gedenkort im Hauptbahnhof

Noch gibt es keine Stolpersteine für Helene und Siegfried Pincus, die am 7. September 1942 nach Theresienstadt deportiert werden. Aber dass es Stolpersteine in Kassel gibt, führte für ihre Enkelin Miram Lurie, dazu, Kontakt mit unserem Verein aufzunehmen, als der Besuch einer Fortbildungsveranstaltung für die 86-jährige israelische Ärztin in der Heimatstadt der Großeltern Mitte März 2016 bevorstand.

 

Wir kamen gerne ihrem Wunsch nach, die Häuser zu sehen, in denen die Großeltern wohnten, etwas über das jüdische Leben in Kassel vor dem Krieg zu erfahren und auch die highlights von Kassel zu sehen. Der Höhepunkt bei dieser kleinen Rundreise durch die Stadt war sicherlich der Besuch des Gedenkortes „Das Gedächtnis der Gleise“ am Gleis 13/14 des Hauptbahnhofs. Miriam Lurie war sehr berührt und beeindruckt, hier die Namen ihrer Großeltern, eingraviert auf den Gleisen, zu finden.

 

Noch gibt es keine Stolpersteine für Helene und Siegfried Pincus. Aber nach diesem Besuch waren sich alle einig, dass sie im nächsten Jahr verlegt werden sollten.

 

27. Januar 2017

vor 72 Jahren Befreiung von Auschwitz - Wir erinnern daran, indem wir alle Kasseler Stolpersteine putzen

Weitere Bilder findet man, sobald sie uns erreicht haben, hier

 

und Bilder von der letzten Mahn- und Putzaktion im November 2017      Hier


Gäste aus Boston bei der Steinverlegung am 22. Juli 2016

Stolpersteine für das Ehepaar Landschneider in Anwesenheit des Neffen Ernst Richard Matthiensen und seiner Familie verlegt

vorne von links: Jochen Boczkowski, Christoph Schöps,  Caroline und Ameron, Tochter Sophie, Ernst Richard Matthiensen, Schwiegersohn Frank Cirillo, Stffen Imke, Rolf  Wekeck
vorne von links: Jochen Boczkowski, Christoph Schöps, Caroline und Ameron, Tochter Sophie, Ernst Richard Matthiensen, Schwiegersohn Frank Cirillo, Stffen Imke, Rolf Wekeck
Heinrich Landschneider
Heinrich Landschneider

Weil Ernst Richard Matthiensen unbedingt bei der Verlegung der Stolpersteine für seinen Neffen Heinrich Landschneider und dessen Ehefrau Emma dabei sein wollte, haben wir ihre beiden Steine, die Gunter Demnig eigentlich am 17. Mai hatte verlegen wollen, fünf Wochen aufbewahrt und erst am 22. Juli verlegt. Nach einer feierlichen Gedenkstunde im Kasseler Stadtmuseum* fand die Verlegung dann vor dem ehemlaigen Wohnhaus des Ehepaars Landschneider in der Holländischen Straße 55 statt.

Das Schicksal des Ehepaars Landschneider wird aus führlich hier dokumentiert

* wegen des Straßenlärms und der räumlichen Enge in der Holländischen Straße

Wie immer wurden die Verlegungen von den Mitarbeitern der Stadt Kassel exzellent vorbereitet. Da dieses Mal  Gunter Demnig nicht zugegen war, haben sie die Steine auch selbst verlegt.                       Wir bedanken uns herzlich bei ihnen.

Christoph Schöps und Steffen Imke
Christoph Schöps und Steffen Imke

Auf den Spuren des Großvaters

Claire und William Sekkel, Enkel des 1933 vom Theater vertriebenen Sängers Nusyn Hornblass, waren im Internet überraschend auf den vor dem Opernhaus verlegten Stolperstein für ihren Großvater gestoßen. Die Freude war riesig, dass man ihn offenbar in Kassel nicht vergessen hat.

 Nun war Claire Sekkel am 11. Juni 2016 mit ihrem Sohn Pedro am früheren Wirkungsort zu  Besuch, nahm den Stolperstein selbst in Augenschein und suchte auch das Haus auf, in dem Nusyn Hornblass zuletzt mit seiner Familie gewohnt und wo Claire Sekkels Mutter ihre ersten Lebensjahre verbracht hatte.

 Das Staatstheater stiftete Freikarten für die abendliche Premiere im Schauspielhaus. Am Beginn der Premierenfeier begrüßte Intendant Thomas Bockelmann die Gäste aus Brasilien offiziell herzlich und überreichte ihnen eine „Premierenrose“ – am Ende eines sicherlich unvergesslichen Tage

 

Nusyn Hornblass noch in Europa (Privatbesitz W. Sekkel) - Claire Sekkel (2. von links mit ihrer Kollegin und Freundin Charlotte Röhner) und Pedro Sekkel (2. von rechts) zusammen mit Jochen Boczkowski (Mitte) und Wolfgang Matthäus vom Verein Stolpersteine in Kassel am Stolperstein für Nusyn Hornblass vor dem Eingang zum Opernhaus (Foto: Hein).

 

2016: 28 NEUE STOLPERSTEINE - ERSTMALS AUCH IN BETTENHAUSEN


Die Hunderter-Grenze ist überschritten, seitdem Gunter Demnig weitere 28 Stolpersteine in das Pflaster Kasseler Bürgersteige eingelegt hat. Genau um 10:45 Uhr in der Obersten Gasse 14 ist der 100. Stein verlegt wrden. Nachdem um 15:15 (mit etwas Verspätung - eine kurze Mittagspause war nötig) in Bettenhausen die Steine für zwei katholische Priester vor der Sankt Kunigundis-Kirche in der Leipziger Straße verlegt worden sind, erinnern jetzt  insgesamt 118 Stolpersteine auf den Bürgersteigen Kassels an ebenso viele Opfer des faschistischen Terrorregimes.

 

Eine genaue Liste der neuen Verlegestellen, der Opfer und Fotos von den Verlegungen findet man hier.


Daniel Lobo Filho

auf den Spuren seines 1944 ermordeten Onkels Werner Holländer

Wir trafen ihn kurz vor Weihnachten am 15.12.2014 in Frankfurt am Main

mehr dazu hier

Mahnwachen und Putzaktionen zum

Auschwitz-Gedenktag  am 27.1.2016

Zahlreiche Unterstützer putzten an diesem Tag die Steine, legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und kamen mit Passanten ins Gespräch, klärten über Biografien von Opfern auf.

Bei der Aktion am Stolperstein für Regina Deborah Schiff in der Parkstraße war OB Bertram Hilgen, der Pate des Steins, anwesend.

Näheres dazu auf der Seite der Stadt Kassel.

 

Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt hielt auf deren Bitte hin Vorstandsmitglied Wolfgang Matthäus auf dem neuen jüdischen Friedhof in Bettenhausen die Gedenkrede. Den Text finden sie hier.

Mahn- und Putzaktion am 9. November 2015

Angeregt von einer Initiative aus Leipzig wurden in vielen Städten Mahnwachen durchgeführt und Stolpersteine geputzt.

Auch wir in Kassel haben zum 76. Jahrestag der Pogromnacht 1938 (zumeist) zwischen 17:00 und 18:00 Uhr die Steine geputzt und Mahnwachen durchgeführt (bei allen 90 im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen).. 

Fotos davon und den Zeitungsbericht darüber findet man   hier

 

Weitere Fotos von der diesjährigen Putz- und Gedenkaktion kommen in den nächsten Tagen

Bilder vom  27.1.2015

findet man hier 

und auch einen Zeitungsartikel dazu


Ein Stolperstein kehrt zurück

Foto: Wolfgang Matthäus
Foto: Wolfgang Matthäus

Die Bauarbeiten auf der Friedrich-Ebert-Straße hatten seine vorübergehende Entfernung und Einlagerung erzwungen. Nun kehrte der Stein für Lehmann Tannenbaum vor der Friedrich-Ebert-Straße 27 mit der Post Apotheke zurück. Bei seiner Wiederverlegung im Rahmen einer kleinen Zeremonie am 20. August 2015 waren u. a. dabei: Jochen Boczkowski (Vorsitzender Stolpersteine in Kassel e. V.), die Apothekerfamilie Parzefall als Steinpaten und Sylvia Tannenbaum, die Urenkelin Lehmann Tannenbaums (von rechts).


"Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist."

Gunter Demnig mit Hut
Gunter Demnig (Foto von Karin Richert)

Mit Stolpersteinen den Menschen ihren Namen wiedergeben, die Opfer in der Nazizeit wurden - das ist das europaweite Anliegen des Künstlers Gunter Demnig.

Die Opfer waren Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Es gab Millionen solcher Opfer, die nach dem Willen der Nationalsozialisten namenlos, heimatlos und geschichtslos bleiben sollten.

Den Namen wiedergeben: Auf Messingplatten, die auf 10 x 10 cm großen Betonquadern verankert sind, werden Name, Geburts- und Todesjahr mit Schicksalsangaben eingelassen. Jedes Opfer erhält einen persönlichen Stein. So werden Identität und Schicksal lesbar. Durch den Gedenkstein vor den Häusern der Opfer wird die Erinnerung an sie und ihre Geschichte wieder in unsere alltäglichen Wege geholt.

 

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat für sie diese Kunstform entwickelt. In ca. tausend deutschen und europäischen Gemeinden und Städten hat er bisher über 40 000 Stolpersteine verlegt, unterstützt von örtlichen Initiativen. „Jeder persönliche Stein symbolisiert auch die Gesamtheit der Opfer, denn die eigentlich nötigen Steine kann man nicht alle verlegen“, sagt er. 

Stolpersteine Ehepaar Oppenheim
Stolpersteine für Ehepaar Oppenheim

Besonderheit des Kunst-Denkmals STOLPER-STEINE ist, dass man auf alltäglichen Wegen unerwartet auf diese hellen Messingplatten trifft.

Ihre Inschriften machen neugierig. So beugt man sich hinunter und liest die Kurzbiografie eines verfolgten Menschen.

 

Fotos aus dem Nachlass Schiff
Fotos aus dem Nachlass (Regina D. Schiff)

Der Gedenkstein, der vor dem

letzen selbst gewählten Wohnsitz

des Opfers liegt, lässt Gedanken stolpern.

 

Solche Stolper-steine bringen den Betrachter nicht zu Fall, sondern sind Anstoß zum Innehalten und Nachdenken.

 


Gunter Demnig und die Stolpersteine in der öffentlichen Diskussion

Gespräch mit "Stolpersteine in Kassel e. V." im Freien Radio Kassel (19.11.2015)

Jochen Boczkowski, Frank-Matthias Mann und Wolfgang Matthäus führten am 19. November 2015 im Freien Radio Kassel mit Klaus Schaake ein Gespräch über die Arbeit des Vereins in der Reihe "Stadtlabor". Zur Aufzeichnung des Live-Gesprächs ohne die gesendeten Musikstücke gelangen Sie hier:

 

NEU: Die „Stolpersteine“ zwischen Anerkennung und Kritik  (21.3.2017)

Ein grundlegender Aufsatz von Anna Warda, einer Mitarbeiterin von Gunter Demnig. Hier

Ein "Millionengeschäft"?

NDR.de .KULTUR   5.11. 2014   von Daniel Kaiser

MILLIONENGESCHÄFT ?

Prof. Johannes Tuchel zu Stolpersteinen

Der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Interview

Heraus aus der Trauerecke - von Sergej Lagodinsky

LESENSWERT   (aus der Süddeutsche Zeitung 17.8.2015)

Streit um Stolpersteine. Eine Diskussion bei der Körber-Stiftung am 8.9.2015

Auf dem Weg ins Büro, vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg, vor der eigenen Haustür oder an der Eingangstür der Arztpraxis um die Ecke: Vielerorts begegnen wir kleinen Betonwürfeln im Gehweg, die mit einer Messingplatte versehen sind. Der Kölner Künstler Gunter Demning initiierte das Projekt »Stolpersteine« im Jahr 1995. Seither sind in Deutschland und weiteren 17 europäischen Ländern rund 50.000 Gedenksteine verlegt worden. Sie erinnern an die Verfolgten, Deportierten und Ermordeten des NS-Regimes – an den Orten, an denen sie zuletzt gewohnt oder gearbeitet haben.

Das Projekt hat sich zu einem Erfolgsmodell der Erinnerungskultur entwickelt und ermutigte viele Menschen dazu, einen Gedenkstein anfertigen zu lassen. Die entwickelte Eigendynamik löst jedoch zunehmend Kritik aus. Inschriften wie »Rassenschande« oder »Gewohnheitsverbrecher« zieren zum Teil die kleinen Steine – ohne sich von diesen NS-Begriffen zu distanzieren. Ebenso wird kritisiert, dass die Gedenksteine im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten werden. Daher lehnen einige Städte die Stolpersteine ab, darunter auch München.

Ob das Projekt seine Ziele verfehlt, der Profit im Vordergrund steht und die Angehörigen selbst übergangen werden, darüber diskutieren der Publizist und Autor Micha Brumlik, der Journalist Daniel Killy und Peter Hess, Projektkoordinator der Stolpersteine in Hamburg.

Eine Video-Aufzeichnung finden Sie hier.

 

Die Ziele des Vereins

TERMINE  2018

9. November 2018 19:00 Uhr

Gottesdienst zur Reichspogromnacht

Heilandskirche Altenritte

größer hier

Verlegung von weiteren Stolpersteinen erst in 2019

 

mehr Informationen demnächst  hier