Herzlich willkommen bei Stolpersteine in Kassel e. V.

Hier finden Sie Informationen über unsere Tätigkeit in der jüngeren Vergangenheit.

Mehr finden Sie unter dem Menüpunkt "Archiv".

Mitglieder wählen neuen Vorstand

Jochen Boczkowski Ehrenvorsitzender - Edeltraud Boczkowski Ehrenmitglied

Jochen Boczkowskis letzter Tätigkeitsbericht
Jochen Boczkowskis letzter Tätigkeitsbericht

Ganz im Zeichen des Abschieds von Jochen Boczkowski vom Amt des Vorsitzenden stand die Mitgliederversammlung unseres Vereins am 9. September 2021, die sein kaum hinreichend zu beschreibendes, mitreißendes Engagement für den Verein bewundernd und mit großer Dankbarkeit würdigte. Als Gründungsvorsitzender sei es nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass der Verein in den neun Jahren seiner Tätigkeit seinem Anliegen in geradezu vorbildlicher Weise gerecht geworden sei, mit Stolpersteinen an die Opfer des Faschismus zu erinnern und damit aber auch einen Beitrag zur Bewahrung der Demokratie zu leisten. In den Dank schloss die Mitgliederversammlung Edeltraud Boczkowski ein, die sich ebenso unermüdlich für den Verein engagierte.

Die Mitgliederversammlung wählte jeweils einstimmig Norbert Sprafke zum neuen Vorsitzenden, Klaus Brocke zu seinem Stellvertreter, Gudrun Schmidt als Schriftführerin, Jürgen Strube als Kassenwart sowie als Beisitzer/in Nicole Pingand, Frank-Matthias Mann und Wolfgang Matthäus.

Der neue Vorstand ernannte Jochen Boczkowski für seine Verdienste, für die er bereits die Ehrennadel der Stadt erhalten hat, zum Ehrenvorsitzenden, Edeltraud Boczkowski zum Ehrenmitglied. Er sei „Aktivist“ der ersten Stunde gewesen und werde „Aktivist“ bis zur letzten Stunde bleiben, gab Jochen Boczkowski als Dank zurück.

Die erste Stolperschwelle in Kassel und weitere 13 Stolpersteine in der Innenstadt - 29. Juni 2021

Gunter Deminig verlegt mit Mitarbeitern des Baiuhofs die Schwelle vor der JVA. - Die Schwelle ist verlegt.

Es war der Wunsch des Leiters der Justizvollzugsanstalt in Wehlheiden, unmittelbar an der JVA an die  Karfreitagsmorde 1945 zu erinnern, denen 12 Häftlinge zum Opfer fielen. Aus seinem Vorschlag, dort Stolpersteine zu verlegen, entstand schließlich die Idee, der Ermordeten mit einer Stolperschwelle zu erinnern. Gunter Demnig selbst – unterstützt von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs – baute sie am 29. Juni 2021 im Rahmen einer feierlichen Einweihung ein, an der zahlreiche Interessierte aus Stadtpolitik und –gesellschaft teilnahmen. Mit der Schwelle können (anders als mit Stolpersteinen) auch die bis heute namenlosen Opfer des NS-Terrors eine Würdigung finden. Auf ihr heißt es:

 

KARFREITAG – 30 . MÄRZ 1945 – 12 GEFANGENE ERMORDET

AUF DEM WEHLHEIDER FRIEDHOF VON GESTAPO ERSCHOSSEN UND VERGRABEN

SIE GEHÖRTEN ZU TAUSENDEN AUS VIELEN NATIONEN, DIE HIER 1933 – 1945

AUS POLITISCHEN, RASSISTISCHEN UND RELIGIÖSEN GRÜNDEN INHAFTIERT WAREN UND ENTRECHTET UND GEDEMÜTIGT WURDEN

ZUR ERINNERUNG UND MAHNUNG

Zahlreiche Besucher/innen nahmen Anteil - Der Leiter der JVA Uwe Meister spricht - Marianne Hornung-Grove liest die Namen der Ermordeten

Neben unserem Vorsitzenden Jochen Boczkowski sprachen u. a. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und der Leiter der JVA Uwe Meister. Sie alle betonten, wie wichtig solche Orte der Erinnerung für ein demokratisches und rechtsstaatliches Gemeinwesen seien – gerade angesichts der aktuellen Bedrohung von rechts. Die HNA berichtete ausführlich.

Jochen Boczkowski spricht zur Erföffnung - Justizministerin Eva Kühne-Hörmann - HNA-Artikel vom 30.6.2012

Die Namen der Opfer, an die die Stolperschwelle erinnert sind:

 

Battista Barachetti aus Italien, geb. 1922

Alex Bouch aus der Ukraine

Pierre Bourgeois aus Frankreich

Henryk Kdazokowski aus Polen, geb. 1917

Krigo Schlachosvi aus der Ukraine

Wolfgang Schönfeld aus Kassel, geb. 1917

Peter Steier aus Kaiserslautern, geb. 1891

Ludwig Ziokowski aus Polen, geb. 1926

Und vier unbekannte Männer

 

Mehr zu den Karfreitagsmorden.

Nachmittags verlegte Gunter Demnig noch 13 weitere Stolpersteine in der Innenstadt:

 

Für die 1941 in Hadamar ermordete Wilhelmine Freckmann in der Erzbergerstraße 41 unter der Beteiligung ihrer Nichte Gertrud Freckmann-Cordes, die die Verlegung angeregt hatte, und ihres Neffen Klaus Freckmann, der auch zur Verlegung sprach (Foto unten rechts).

In der Gießbergstraße 8 für Meta Feilchenfeld, JG 1904, deportiert und ermordet 1942 Sobibor, Ruth Feilchenfeld, JG 1934, deportiert und ermordet 1942 Sobibor und Ludwig Feilchenfeld, JG 1899, geflohen 1939 nach Palästina sowie Heinrich Köhler, JG 1869, deportiert 1942 Theresienstadt, ermordet Treblinka.

In der Wolfhager Straße/Ecke Gießbergstraße für Simon Wertheim, JG 1889, Haft 1942 Breitenau,ermordet KZ Sachsenhausen, Johanna Wertheim geb. Kohlhagen, JG 1896, deportiert 1942 Sobibor ermordet, Irmgard Wertheim, JG 1921, Flucht 1937 USA und Emma Kohlhagen, JG 1874, deportiert 1942 Theresienstadt, ermordet Treblinka.

Und schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite Wolfhager Straße 14 für Amalie Kaschmann, JG1871, deportiert und ermordet 1942 Theresienstadt, Frieda Horwitz geb. Kaschmann, JG 1897, deportiert und ermordet 1942 Theresienstadt, Johanna Kaschmann, JG 1898, deportiert 1942 Terezin, ermordet 1944 Auschwitz und Rosi Kaschmann, JG 1900, deportiert und ermordet 1942 Sobibor.

Der Kantor der jüdischen Gemeinde Jakob Axenrod begleitete alle Verlegungen mit einem Gebet (Fotos oben und unten links).

 

   weitere Fotos von den Verlegungen am 29. Juni 2021        findet man hier

Verlegungen als Versammlung unter freiem Himmel

Friedlich und ohne Waffen - 6. bis 8. Mai 2021

Sie sollten bereits im Dezember des letzten Jahres verlegt werden: mehr als 50 neue Steine an 15 Verlegeorten in mehreren Teilen der Stadt. Beschränkungen auf Grund der Pandemie verhinderten dies, und auch die dann ganz bewusst für die Tage vom 6. bis zum 8. Mai 2021, dem Tag der Befreiung, geplanten üblichen Veranstaltungen konnten zunächst nicht von der Stadt genehmigt werden; wohl konnten aber Versammlungen unter freiem Himmel nach Artikel 8 des Grundgesetzes stattfinden. Und so fungierte Jochen Boczkowski diesmal ganz offiziell als Versammlungsleiter, der zu Beginn jeder Verlegung auf die Einhaltung der uns auferlegten Auflagen hinwies. Ordner unterstützten dies, Polizeistreifen begleiteten die Verlegungen wohlwollend zu unserem Schutz.

Die Verlegungen waren eindrucksvolle Demonstrationen zum Thema „8. Mai Tag der Befreiung vom Faschismus und Stolpersteine Gedenken“, wie es in unserer Anmeldung hieß.

Am Donnerstag und Freitag galten Erinnerung und Gedenken ausschließlich jüdischen Opfern: Bella und Fritz Lentschner mit den Kindern Rosa, Ida, Nuomi, David, Isaak, Josef, Ruth, Heinz, Frieda und Hermann (Tränkepforte), Johanna und Louis Magnus (Mittelgasse), Mina und Willi Engelbert mit den Töchtern Frieda und Edith (Kurze Gasse), Sophie und Sally Adler mit den Kindern Ilse, Kurt Simon und Rolf, Marianne Spangenthal mit den Söhnen Kurt und Ludwig (Hoffmann-von-Fallersleben-Straße), Selma und Karl Hase mit dem Sohn Rolf (Technik-Museum), Rosa und Isaak Goldberg mit den Kindern Sigrid und Manfred (Königstor), Emmy und Ernst Rubensohn (Terrasse), Flora und Sally Frankenthal mit dem Sohn Gerd Siegfried, den Witwen Clara Mosbacher (Querallee) und Bertha Adler (Meysenbugstraße) und schließlich für David Bloch und den Sohn Paul (Lindenstraße). Vom Arbeiter über den „kleinen“ Geschäftsmann bis zum wohlhabenden Fabrikanten wurde die ganze Bandbreite der jüdischen Gesellschaft unserer Stadt vor ihrer Zerstörung sichtbar.

Die Steine für die Familie Lentschner -  Verlegung für Pfarrer Zimmermann mit Jochen Boczkowski

Der Sonnabend war dem evangelischen Pfarrer Hans-August Zimmermann gewidmet (Pfarrstraße), dem Opfer der Krankenmorde Wilhelm Kleinschmidt (Kaufunger Straße) sowie dem kommunistischen Widerstandkämpfer Eduard Wilhelm (Firnskuppenstraße).

 

Ohne die fachgerechte Verlegung aller Steine durch den städtischen Bauhof, wäre all dies nicht möglich gewesen. Ihm gilt unser besonderer Dank.

 

Bernd Scheffer, der Biograf Zimmermanns - Jochen Boczkowski am Stein für Wilhelm Kleinschmidt - Philipp Hoffmann singt ein Arbeiterlied für Eduard Wilhelm - Der Kantor J. Axenrodt sprach für alle jüdischen Opfer ein Gebet.

 

Weitere Fotos von den Stolpersteinverlegungen an den Tagen vom 6. bis 8. Mai 2021 gibt es hier.

Luise Nauhaus‘ Stein wieder verlegt

Nachdem er mehrere Jahre wegen der Baumaßnahmen der Evangelischen Bank am Ständeplatz eingelagert war, wurde der Stolperstein für die in Hadamar ermordete Luise Nauhaus am 15. April 2021 wieder fachgerecht verlegt. An der kleinen Zeremonie aus diesem Anlass nahmen u. a. der Generalbevollmächtigte der Bank Olaf Kreuzberg, Dorothea Hübner, eine Verwandte der Ermordeten, Claudia Römer vom Friedrichsgymnasium, das die Pflegepatenschaft übernimmt, Vertreter der beteiligten Firmen und unseres Vereins teil. Jochen Boczkowski skizzierte noch einmal eindringlich das Schicksal von Luise Nauhaus als eines von mehr als 70.000 Opfern der „Aktion T4“, des Massenmordes an Behinderten und Kranken.

Oben links: Claudia Römer vom Friedrichsgymnasium und Edeltraud Boczkowski bringen den Stein wieder auf Glanz. - Oben Mitte: Jochen Boczkowski und die Verwandte von Luise Nauhaus Dorothea Hübner - Oben rechts: Jochen Boczkowski mit dem Gedenblatt für Luise Nauhaus. - Unten Mitte: Jochen Boczkowski und der Vertreter der Evangelischen Bank Olaf Kreuzberg

Aus diesem Anlass haben wir alle Stolpersteine in Kassel geputzt und geschmückt

 

hier eine fotografische Auswahl

27. Januar 2021 Internationaler Gedenktag      Vor 76 Jahren wurde Auschwitz befreit



Das Buch über Stolpersteine in Kassel von Christina Hein

„Nie vergessen: Stolpersteine in Kassel - Porträts von Menschen“

Christina Heins Buch ist im September 2020 erschienen. Darin schreiben wir in unserem Grußwort:

 

"Ein gemeinsames Anliegen

 

Unsere 2012 begonnene Arbeit der Verlegung von Stolpersteinen in Kassel zur Erinnerung an die zahlreichen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor Ort hat das große Interesse und eine hohe Wertschätzung einer breiten Öffentlichkeit erfahren. Das ist nicht zuletzt auch der Berichterstattung in der HNA und insbesondere ihrer Redakteurin Christina Hein zu verdanken. Seit Jahren hat sie immer wieder mit großer Sympathie für unser Projekt und vor allem auch Empathie für die Opfer und mitunter vor dem Hintergrund persönlicher Kontakte zu einigen ihrer Familien Ergebnisse unserer Recherchen journalistisch aufgearbeitet und so einem breiten Publikum die Schicksale Einzelner oder von Familien nahe gebracht, dem Vergessen entrissen. Dass es nun gelungen ist, eine Reihe der so entstandenen Porträts in aktualisierter Form sowie einige weitere, bisher nicht veröffentlichte, in einem Sammelband zu publizieren, freut uns sehr.

Christina Heins Porträts vermitteln einen bedrückenden Einblick in ein Unrechtsregime und davon, dass und wie ihm letztlich jeder zum Opfer fallen konnte. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass die Kategorisierung in Opfergruppen nicht ausreicht, sondern jedes Schicksal einer eigenen Würdigung bedarf. Wie die Stolpersteine sind die Porträts ausdrückliche Würdigungen von Menschen, derer im kollektiven Gedächtnis der Stadt bislang nicht oder kaum gedacht wurde – sieht man von einigen prominenten wie zum Beispiel Sara Nussbaum oder Felix Blumenfeld ab.

Für diese publizistische Begleitung unseres Anliegens sind wir der Autorin und dem Verlag dankbar. Dem Buch als wichtigem Beitrag zur Stadtgeschichtsschreibung wünschen wir die breite Leserschaft, die es verdient."

 

Hein, Christina

Nie vergessen: Stolpersteine in Kassel - Porträts von Menschen

euregioverlag 2020

120 Seiten mit vielen Abbildungen

ISBN 9783933617859

 

Anlässlich der Vorstellung des Buches hielt Eva Schulz-Jander, Ehrenbürgerin der Stadt Kassel, eine bemerkenswerte Rede, in der sie sich als ursprüngliche Skeptikerin gegenüber dem Projekt Stolpersteine mit der Einzigartigkeit des dezentralen Denkmals befasste.

Die Rede finden Sie hier. Wir danken der Autorin für die freundliche Genehmigung, sie auf dieser Webseite zu veröffentlichen.

 

7. - 9. November Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome in 1938

 

Auch in diesem Jahr sind die Gedenkveranstaltungen nicht ausgefallen. Wir haben der Opfer gedacht, die Stolpersteine geputzt und geschmückt.

 

Einige Bilder dazu findet man hier

Unser Beitrag zum Tag des Gedenkens an die Opfer des NS 2020

Unserem Aufruf, alle Kasseler Stolpersteine zu putzen und mit Blume/Kerze zu schmücken, folgten auch in diesem Jahr zahlreiche Menschen aller Altergruppen in der Stadt, vereint in dem Wunsch, sichtbare Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Liebe Freundinnen und Freunde von Stolpersteine Kassel,

 

 zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Sowjetarmee rufen wir dazu auf, alle Kasseler Stolpersteine zu putzen und mit Blume/Kerze zu schmücken.

 

„Wir gedenken der Entrechteten, Gequälten und Ermordeten: der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Millionen verschleppter Slawen, der Zwangsarbeiter, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Kranken und , all derer, die die nationalsozialistische Ideologie zu Feinden erklärt und verfolgt hatte. Wir erinnern … auch an diejenigen, die mutig Widerstand leisteten oder anderen Schutz und Hilfe gewährten" , heißt es in der Ansprache des Bundestagspräsidenten 2015.

 

Wir wollen mit unserer Mahn- und Putzaktion auch ein Zeichen gegen Rechts setzen, denn der Schoß ist fruchtbar noch. 
In Kassel gibt es 270 Steine an 103 Stellen. Diese Tabelle enthält alle Standorte mit den jeweiligen Paten. (Fehler eingeschlossen) Alle Steine mit Verlegestellen findet man auch im aktuellen Stadtplan.

 

Erklärung zum Terrorakt in Halle

Der unerträgliche rechte Terrorakt von Halle erfüllt uns mit Trauer. Unser Mitgefühl gilt den Opfern mit ihren Familien und den jüdischen Gemeinden in Deutschland. Er erfüllt uns zugleich mit Empörung und bestärkt uns, jetzt erst recht mit unserer Arbeit in aller Entschiedenheit für eine Gesellschaft einzutreten, in der Faschismus und Antisemitismus keinen Platz haben. 

"Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist."

Gunter Demnig mit Hut
Gunter Demnig (Foto von Karin Richert)

Mit Stolpersteinen den Menschen ihren Namen wiedergeben, die Opfer in der Nazizeit wurden - das ist das europaweite Anliegen des Künstlers Gunter Demnig.

Die Opfer waren Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Es gab Millionen solcher Opfer, die nach dem Willen der Nationalsozialisten namenlos, heimatlos und geschichtslos bleiben sollten.

Den Namen wiedergeben: Auf Messingplatten, die auf 10 x 10 cm großen Betonquadern verankert sind, werden Name, Geburts- und Todesjahr mit Schicksalsangaben eingelassen. Jedes Opfer erhält einen persönlichen Stein. So werden Identität und Schicksal lesbar. Durch den Gedenkstein vor den Häusern der Opfer wird die Erinnerung an sie und ihre Geschichte wieder in unsere alltäglichen Wege geholt.

 

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat für sie diese Kunstform entwickelt. In ca. tausend deutschen und europäischen Gemeinden und Städten hat er bisher über 60.000 Stolpersteine verlegt, unterstützt von örtlichen Initiativen. „Jeder persönliche Stein symbolisiert auch die Gesamtheit der Opfer, denn die eigentlich nötigen Steine kann man nicht alle verlegen“, sagt er. 

November 2019: reinigen, erinnern und mahnen

Axel Engelhardt und seine Tochter Clara pflegten und schmückten die Stolpersteine der Familie Treiser in der Mönchebergstraße am Bürgipark.
Axel Engelhardt und seine Tochter Clara pflegten und schmückten die Stolpersteine der Familie Treiser in der Mönchebergstraße am Bürgipark.

Überwältigend war auch in diesem Jahr die Resonanz auf unseren Aufruf, anlässlich des Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 die Stolpersteine zu reinigen und zu schmücken. Neben Vereinsmitgliedern und Steinpaten waren spontan zahlreiche weitere Menschen in der Stadt unterwegs, um sich an dieser Form des Gedenkens und Erinnerns zu beteiligen – und damit gerade in dieser Zeit sichtbare Zeichen zu setzen gegen das Wiederaufleben menschenverachtender Ideen und leider auch Taten.

                                                                                                                                                      weitere Fotos hier

 

Eine Menschenkette am 13. November 2019 ...

... bildeten Unterrichtende und Auszubildende des Kasseler Fröbelseminars von ihrer Schule über 230 Meter hinweg bis zu den Stolpersteinen in der Sternbergstraße für die Familie Oppenheim, die an diesem Tag unter der Anleitung von Gudrun Schmidt geputzt und geschmückt wurden. Mehr darüber hier.

Der erste Stein am Brasselsberg – und „erste Stolpersteine für Angenröder Opfer“

Fünf neue Steine am 22. Oktober 2019

Verlegung der Steine vor der Mönchebergstraße 21 mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern der Carl-Schomburg-Schule
Verlegung der Steine vor der Mönchebergstraße 21 mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern der Carl-Schomburg-Schule

Mit den Steinen in der Mönchebergstraße 21 für Hermann Katz und die Schwestern Fanny Katz und Rickchen Schaumberger, die beide aus dem heutigen Alsfelder Stadtteil Angenrod stammten, wurden „erste Stolpersteine für Angenröder Opfer“ der Shoah aus dieser ländlichen Gemeinde verlegt, wie die Oberhessische Zeitung in Alsfeld bereits am 26. September in einem ausführlichen Bericht würdigte. Prof. Dr. Ingfried Stahl aus Angenrod sprach uns bei der Verlegung dafür ausdrücklich seine Anerkennung aus und bedauerte, dass es in seinem Heimatort selbst bislang noch keinen Stolperstein gebe – trotz einer hohen Zahl von Opfern. Schülerinnen und Schüler der Carl-Schomburg-Schule gestalteten mit sehr einfühlsamen eigenen Beiträgen die Verlegung der drei Steine im Stadtteil Wesertor. Die Oberhessische Zeitung berichtete darüber am 26. Oktober auf einer halben Seite.

Zuvor war in der Holländischen Straße 103 der Stolperstein für Valentin Gabel verlegt worden, der als Kommunist seinen Widerstand gegen den Faschismus mit einer mehr als zehnjährigen Haft und der Überstellung in eine SS-Sonderheit bezahlte, die er nicht überleben sollte. Die Anregung war hier aus der Familie gekommen und mehrere Familienmitglieder nahmen bewegten Anteil an der Verlegung des Steines, die – wie auch die beiden anderen Verlegungen – von Philipp Hoffmann musikalisch begleitet wurde.

Den Abschluss bildete die erstmalige Verlegung eines Stolpersteins am Brasselsberg, und zwar in der Hirzsteinstraße 15 für Max Oestreicher. Wie bei den anderen Steinen kam auch hier die Anregung von außerhalb. Tom Nowotny, der sie gegeben hatte, war mit Mutter, Söhnen und Enkeltochter angereist, um an der Zeremonie teilzunehmen. Wie auch Jochen Boczkowski zuvor unterstrich er, wie wichtig gerade angesichts der aktuellen Situation mit rechten Terrorakten, zunehmendem Rassismus und Antisemitismus die historische Aufklärung, das Erinnern und Gedenken seien.

Sechs neue Stolpersteine im Vorderen Westen

„Flucht in den Tod“ heißt es auf drei von sechs neuen Stolpersteinen, die am 19. September im Vorderen Westen zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt wurden. Levi Katz, der in der Querallee 36 wohnte, ertränkte sich bereits im Mai 1933 im Asch im Bergpark, nachdem die Nationalsozialisten vor allem auch in Kassel den Terror gegen politische Gegner und Juden entfacht hatten. Seine Schwägerin, die Witwe Anna Katz, erhängte sich im April 1937 in ihrer Wohnung in der Prinzenstraße 10 (Pestalozzistraße). Die verwitwete Eigentümerin des Hauses Kaiserstraße 73 (Goethestraße) Bertha Katz kam dem Schicksal von mehr als 20 ihrer Mieter zuvor, die von Kassel aus in den Tod deportiert werden sollten – darunter auch Levi Katz‘ Witwe Johanna und sein Sohn Arthur. Sie starb im April 1941 an einer Überdosis Veronal-Tabletten. „Motiv: Lebensüberdruss“ heißt es in ihrer Sterbeurkunde.

Unter den zahlreichen Menschen, die diesen Verlegungen beiwohnten, waren auch die in Tel Aviv lebende Enkelin von Anna Katz, Judith Kirschbaum, ihr Ehemann Zuri und ihre drei Kinder Iris, Guy und Liron, die eigens zu diesem Anlass nach Kassel gekommen waren.

 

Familie Kirschbaum aus Tel Avi vor den Stolpersteinen für Johanna, Levi und Arthur Katz

Judith Kirschbaum bei der Einweihung des Solpersteins für ihre Großmutter Anna Katz.Sie bedankt sich und gibt Einblicke in das Leben der Familie in Palästina und Israel.

Links: Einweihung des Stolpersteines für Bertha Katz in der Goethestraße 73

Rechts: Martin Speicher bei der Einweihung des Stolpersteins für Leon Boczkowski.

Eindruchsvoll begleitet wurden drei der vier Verlegungen von Martin Speicher und seiner Klarinette. Auch für die des Steins für Leon Boczkowski. Als Mitglied der Kommunistischen Partei 1933 verhaftet, wurde Leon Boczkowki 1934 zu einer Haftstrafe verurteilt, nach deren Verbüßung sich die willkürliche „Schutzhaft“  in mehreren Konzentrationslagern anschloss: in Lichtenburg, Buchenwald, Dachau und Flossenbürg. Am 20. April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit, sollte er - traumatisiert -  von dem Erlittenen nie wirklich befreit werden.

 

Weitere Fotos von den Verlegungen finden Sie hier.

 

Ein Film über Stolpersteinverlegungen am 19. September 2019 und den Besuch der Familie Kirschbaum aus Tel Aviv in Kassel

Judith Kirschbaums Sohn Guy drehte während des Besuchs seiner Familie in Kassel einen Film, der unter anderem die Stolpersteinverlegungen für Anna, Johanna, Arthur und Levi Katz ausführlich dokumentiert.

Sie finden dieses Video auf youtube.

Eine großzügige Spende und auch besondere Würdigung

Grund zur Freude und Anlass zum Dank hatte unser Vorsitzender Jochen Boczkowski am 19.9.2019 bei der Verlegúng eines Stolpersteines für seinen Onkel, den von 1933 bis 1945 inhaftierten Widerstandskämpfer Leon Boczkowski. Bei diesem Anlass überreichte Klaus Lott (Foto rechts) symbolisch für den Verein Kontaktgruppe Hermannstaße eine Spende von 2.500 € an unseren Verein zur Finanzierung weiterer Stolpersteine. Klaus Lott bezeichnete als Motiv für diese Spende, dass es seinem Verein derzeit besonders wichtig sei, diejenigen zu unterstützen, die einen Beitrag im Kampf gegen die rechtsextremen Entwicklungen in unserer Gesellschaft leisten.

Eine besondere Verlegung von Steinen im Juli 2019

Ein "Top" der Woche in Kassel

„Tops

Stolpersteine:

Alles war bestens vorbereitet vom Stolperstein-Verein: Zur jüngsten Verlegung der Gedenksteine für die Opfer des Nationalsozialismus am Dienstag hatte sich eine große Zahl an Angehörigen aus Israel, Frankreich, Australien angesagt. Musiker standen bereit, um für einen würdevollen Rahmen zu sorgen. Doch dann kam morgens die Hiobsbotschaft: Künstler Gunter Demnig, der die meisten Steine persönlich verlegt, hatte mit seinem Transporter, mit dem er 50 Steine bringen wollte, eine Panne. Was tun? Schnell wurde arrangiert, dass Demnigs Frau Katja wenigstens die Steine, die verlegt werden sollten, nach Kassel bringt. Dann wurde das Rathaus um Hilfegebeten. Das reagierte prompt und schickte gleich Profis vom Bauhof, die die Arbeiten übernahmen. „Die Stadt hat die Verlegung unserer Stolpersteine ermöglicht“, schwärmt Wolfgang Matthäus vom Vereinsvorstand. Sie sei „situativ und flexibel“ auf das Problem eingegangen: „Das war großartig.“ Die Anwesenden bedachten die Arbeit mehrfach mit Applaus.“

Dieser Text von Christina Hein war am 13. Juli 2019 unter der Überschrift „Tops und Flops“ in der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) zu lesen.

 

 

Katja Demnig bringt die Steine und zu aller Freude kommen auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, um Gunter Demnigs Arbeit an diesem Tag zu übernehmen.

Verlegt wurden an diesem Tag Steine für Angehörige der Familien Rosenberg (u. a. auch Shmulik Rosenberg, der mit weiteren Familienmitgliedern nach Kassel gekommen war), Verständig (auch hier waren Angehörige dabei), Kander, Heilbrunn (unter Teilnahme von Nachfahren) sowie Speier. Eine Premiere war es, dass die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs bei dem Einbau der Steine für die Familie Heilbrunn Sand aus Israel unter den Kasseler Sand mischten. Die Zeremonien wurden musikalisch und vom Kantor der jüdischen Gemeinde Jakob Axenrod mit Gebeten begleitet.

 

Zahlreiche Fotos von allen Verlegungen an diesem Tag finden Sie hier.

 

Professionelle Arbeit - in einem Falle auch mit Sand aus Israel.

Der Zeitplan am 9. Juli konnte trotz der einzigartigen Hilfe durch die Stadt und allerdings nicht eingehalten werden, so dass wir die drei weiteren geplanten Verlegungen erst eine Woche später, am 16. Juli, durchführten: für die Familien Blau, Zalcman und Plaut. Weitere Fotos von diesen Verlegungen finden Sie hier.

Philipp Hoffmann, Jochen Boczkowski und Margrit Stiefel bei der Verlegung für die Familie Blau.

Gudrun Schmidt erläutert die Geschichte und das Schicksal der Familie Zalcman.

Jabob Axenrod spricht ein Gebet für die Angehörigen der Famlie Plaut.

Jürgen Strube erläutert deren Schicksal.

Von der Stolpersteinverlegung in der Großen Rosenstraße gestaltete unser Vereinsmitglied Klaus Brocke eine Fotocollage. Sie zeigt u. a. die Große Rosenstraße, in der sich das Zentrum der jüdischen Gemeinde befand, am 8. November 1938 mit den Verwüstungen durch den Pogrom am Abend vorher.

Fotocollage von Klaus Brocke
Fotocollage von Klaus Brocke

Stadt Kassel zeichnet Engagement für Stolpersteine aus

Ehrennadeln für Gunter Demnig und Jochen Boczkowski am 1. Feburar 2019

Oberbürgermeister Christian Geselle bei seiner Laudatio - Gunter Demnig und Jochen Boczkowski im Gespräch - Edeltraud und Jochen Boczkowski, Gunter und Katja Demnig - Jochen Boczkowski gibt seine persönlichen Einblicke in die Arbeit von Stolpersteine in Kassel e. V.

Ohne seinen "Erfinder" und Motor Gunter Demnig gäbe es das inzwischen weltumspannende Projekt der Stolpersteine nicht. Ohne Jochen Boczkowskis unermüdliches Engagement, das Projekt in Kassel voranzutreiben, wäre die Verlegung von bislang 223 Stolpersteinen vor Ort kaum denkbar. Dass es gelungen ist, in Kassel ehedem vertretene Vorbehalte auszuräumen und die Erinnerungsarbeit über viele sonst trennenden Grenzen hinweg sich hoher Anerkennung erfreut, ist vor allem auch sein Verdienst. Diese Anerkennung brachte die Stadt nun durch die Verleihung der Ehrennade durch Oberbürgermeister Geselle an Gunter Demnig und Jochen Boczkowski in einer Feierstunde im Rathaus zum Ausdruck. Die HNA widmete sich dieser Auszeichnung ausführlich.

Putzen und Gedenken im Januar 2019


Zahlreiche Menschen sorgten rund um den 74. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wie in den Jahren zuvor dafür, unsere 223 Stolpersteine in neues Glanz zu bringen und sie mit Blumen und Kerzen zu schmücken. Nicht selten auch eine Gelegenheit mit Passanten ins Gespräch zu kommen und sich immer wieder neu der Biografien der Geehrten zu nähern.

Der in New York lebende 20-jährige Shanan Miller ließ es sich nicht nehmen, bei seinem Besuch in Kassel wenige Tage zuvor, die Stolpersteine für seine Ur-Ur-Großeltern Helene und Siegfried Pincus in der Friedrich-Engels-Strße zu pflegen. Dabei verriet er uns, dass sein Vorname letztlich dem von Siegfrid Pincus entspreche (Fotos unten):

Familie Tisch                                  Ernst Reuse                                    Familie Stiefel

Putz- und Gedenkaktionen 2018

Familie Treiser Mönchebergstraße

Familie London Schillerstraße

Jonny Silberge

Goethestraße

Familie Tisch

Sickingenstraße


Zahlreiche Menschen beteiligten sich auch im November 2018 wieder. Darunter einge ganze Reihe, die spontan auf den Artikel in der Hessischen Allgemeinen (HNA) mit der Ankündigung unserer Aktion reagierten und darum baten, helfen und mitwirken zu dürfen. Ihnen allen gilt unser Dank.

Unserem sozialen Netzwerk der Erinnerungskultur gelingt es so immer wieder auf beeindruckende Weise, die Erinnerung an die Opfer des NS deutlich sichtbar im Stadtbild zu verankern.

 

Dass wir nicht nur Stolpersteine verlegen, sondern viele Menschen auch zu einem aktiven Engagement bewegen, hat inzwischen langjährige Vorbehalte gegenüber der Verlegung von Stolpersteinen in unserer Stadt ausräumen können.

Vom städtischen Bauhof verlegt:   Feierliche Einweihungen  14. Juni 2018

Nicht zum ersten Mal  wurden Stolpersteine vom Bauhof der Stadt verlegt und von uns "nur" noch eingeweiht: eine Verlegung in "Eigenregie" ohne Gunter Demnig selbst, der zuletzt im März bei uns war und bei dem von ihm selbst vorgenommenen Verlegungen gleichfalls auf die Vorarbeiten des Bauhofes zurückgreifen konnte. Für die solidarische und reibungslos funktionierende Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt bedanken wir uns ganz herzlich.

In der Mittelgasse erinnern nun fünf Steine an die jüdische Familie Knopf, von der nur einer überlebte, und zwei Steine an Erna und Willi Paul, die politischen Widerstand geleistet hatten, aber überlebten. Das Ehepaar Katz in der Gießbergstraße 1 überlebte den Völkermord ebenso wenig wie - bis auf einen Sohn - die jüdische Familie London aus der Schillerstraße 7. In der Quellhofstraße 20 erinnert ein Stein nun an den Zeugen Jehovas Otto Friedrich, der wegen seiner Überzeugung mehr als acht Jahre inhaftiert war.

Philipp Hoffmann begleitet die Verlegung der Steine für die Familie Knopf musikalisch.

Jürgen Strube und Margrit Stiefel erläutern die Familiengeschichte.

Verlegung für Erna und Willi Paul vor dem Haus Mittelgasse 8 (früher 22) - Wolfgang Matthäus erläutert die Biografie

Verlegung für das Ehepaar Katz, Jochen Boczkowski erläutert die Biografien

Der Kantor der jüdischen Gemeinde Jakov Axenrod spricht ein Gebet - Gudrun Schmidt weiht die Steine mit Blumen und Kerzen ein

Schülerinnen des Wilhelmsgymnasiums singen zur Verlegung des Steins für ihren ehemaligen Schüler Hans Joachim London.

Ulrike Neyer trägt die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherchen zur Familie London vor.

Zahlreiche Zeugen Jehovas begleiteten die Verlegung des Steins für Otto Friedrich  - auch musikalisch mit "Liedern für Jehova"

Wilfried Siegner (2. von links) erläuterte Otto Friedrichs Biografie

Mit der Anteilnahme zahlreicher Nachfahren ...

.. fand die Verlegung weiterer Stolpersteine am Donnerstag, 24. Mai 2018, statt - darunter die für den 200. Stein in Kassel. Die HNA berichtete am Tag darauf und am Samstag über die Verlegung in der Friedrich-Engels-Straße 26 für Helene und Siegfried Pincus.

Fotos von dieser und den anderen drei Verlegestellen hier.

Die Verlegung in der Friedrich-Ebert-Straße 43 war dem Kommunisten Justus Krug gewidmet, der sich 1935 in der Untersuchungshaft im Polizeipräsidium am Königstor - nur wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt - der weiteren Verfolgung durch Freitod entzog.

Zu der Verlegung von Steinen für Gertrud Oppenheim und ihre Kinder in der Sternbergstraße waren wiederum zahlreiche Nachfahren aus dem Ausland angereist.

Der in der Nähe von Darmstadt wohnende Manfred Menges, hatte es nicht so weit, um zusammen mit seiner Frau an der Stolpersteinverlegung für seinen von den Nazis hingerichteten Vater teilzunehmen.

 

"So bleibt die Erinnerung wach" -39 weitere Stolpersteine

… verlegte Gunter Demnig am 5. März 2018 an neun Stellen  - fast ausschließlich im Stadtteil Wesertor. Ein besonderes Ereignis war dabei unter anderem das Zusammentreffen des in England lebenden Manfred Goldberg mit seinem ehemaligen Kasseler Schulkameraden an der jüdischen Schule Werner Golnik. Beide waren am 9. Dezember 1941 mit ihren Familien nach Riga deportiert worden, beide verschleppte man später in das KZ Stutthof bei Danzig. Nach mehr als 70 Jahren trafen sich die Überlebenden zur Verlegung von Stolpersteinen für Manfred Goldbergs Familie zum ersten Mal wieder. Die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtete auf der ersten Seite.

 

HNA vom 6. März 2018 (im Text steht irrtümlich 1936-1943 statt 1936-1941)
HNA vom 6. März 2018 (im Text steht irrtümlich 1936-1943 statt 1936-1941)

Eine Besonderheit war sicherlich auch, dass der Shalom Chor  Berlin am Vorabend der Stolpersteinverlegungen im Zusammenhang mit der Ausstellung  „Leben nach dem Überleben“ ein beeindruckendes Konzert in der überfüllten Synagoge gab, dem die beiden Überlebenden beiwohnten. Vermittelt war das Konzert durch das Chormitglied Pedro Elsbach, für dessen Familie am nächsten Tag gleichfalls Stolpersteine verlegt wurden. Auch dabei sang der Chor.

Ungewöhnlich war zudem, wie am Bürgipark an der Mönchebergstraße gleich zehn künftig unübersehbare Stolpersteine für die kinderreiche Familie Treiser unter dem Beisein mehrerer Nachfahren verlegt wurden. „So bleibt die Erinnerung wach“, sagte der in Tel Aviv lebende Gil Treiser, der die Stolpersteine für seine Familie angeregt hatte.

Der Verlegung des Steins für den Sozialdemokraten Richard Hauschildt, den die Nazis in den Tod getrieben hatten, wohnten Mitglieder der Familie Wittrock und eine ganze Reihe von heutigen Funktionsträgern der Partei bei.

In fast allen Familien, an die nun Steine erinnern, waren auch Kinder, die der Verfolgung zum Opfer fielen - eine Gruppe, der sich ein Arbeitsgruppe innerhalb des Vereins in besonderem Maße verpflichtet fühlt und deren Schicksale aufklärt. Besonders berührend war es deshalb, wie - nicht zum ersten Mal - Kinder der Unterneustädter Schule an Stolpersteinverlegungen teilnahmen und sie mitgestalteten. Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Integrationskurses für Migranten lernten am Möncheberg viel über die Geschichte ihrer neuen Heimat und darüber, wie diese mit ihr umgeht.

 

Gunter Demnig verlegte Steine für Mitglieder der jüdischen Familien Treiser, Ehrlich, Elsbach, Gipfel, Goldberg, Rosenberg, Möllerich und Sommer. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde und ihr Kantor begleiteten dies. Ein Stein erinnert an den politisch Verfolgten Richard Hauschildt.

 

 

Gunter Demnig mit Familie Treiser und dem Vorsitzenden Jochen Boczkowski - Kinder der Unterneustädter Grundschule

Elena Padva vom Sara Nussbaum Zentrum - Wolfgang Bahr zeigt Fotos der Kinder der Familie Ehrlich - Der Kantor der jüdischen Gemeinde Jakow Axenrod und das Gedenkblatt für die Familie Rosenberg

Der Shalom Chor Berlin bei der Verlegung für die Familie Elsbach - Zeremonie für die Familie Goldberg mit Manfred Goldberg in der Mitte

weitere Fotos von den Verlegungen am 5.3.2018 hier


 

Die Ziele des Vereins

TERMINE  2021

Einweihung von Stolpersteinen für die Familie Ziering

in Anwesenheit von Nachkommen aus den USA

12. Oktober 2021 ab 13:30

Pferdemarkt 12/14

Jägerstraße 5

Schillerstraße 7