Alfred Gail

Fünffensterstraße 4, Haus im 2. Weltkrieg zerstört, Grundstück heute mit Parkhaus bebaut

Alfred Gail im Matrosenanzug schaut skeptisch in die Zukunft
Alfred Gail

Es ist der 5. Mai 1945: Die Teilkapitulation der deutschen Wehmacht ist gültig. Das deutsche Reich unter dem NS-Regime liegt in Trümmern.

Wenige Tage später am 8. Mai 1945 wird die Kapitulation endgültig besiegelt. Der zweite Weltkrieg ist vorbei und unzählige deutsche Soldaten sind auf der Flucht.

Doch am 10. Mai 1945 werden drei Matrosen in der Geltinger Bucht nach NS-Militärgesetz zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Weswegen wurden sie verurteilt? Warum wurde trotz der Niederlage noch nach NS-Recht geurteilt?

Die drei Verurteilten waren:

Alfred Gail, 20 Jahre alt, Marinefunker aus Kassel

Fritz Wehrmann, 26 Jahre alt, Matrose aus Leipzig

Martin Schilling, 22 Jahre alt, Obergefreiter aus Ostfriesland 

"Als am 5. Mai herauskam, daß Waffenruhe für uns ist, hielt uns unser Kommandeur eine Ansprache und sagte, daß wir sicher dem Tommy übergeben würden. Dieser Gefangenschaft wollten wir ausweichen und flüchteten, um uns irgendwie nach Deutschland durchzuschlagen, um Euch beschützen zu können" (3 - S. 167)

Dies schrieb der 20-jährige Alfred Gail, seinen Eltern.

Er war mit seinen Kameraden Fritz Wehrmann, Martin Schilling und Kurt Schwalenberg in Svendborg auf der Insel Fünen bei einem Kameradschaftsabend, der am Abend nach der Verkündigung der Teilkapitulation abgehalten wurde. Sie fassten zusammen den Plan, am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang sich von der Truppe abzusetzen, um dann mit einem Boot auf das Festland zu gelangen und, wie Gail in seinem Brief schrieb, sich nach Hause zu ihren Familien durchzukämpfen.

Nahe einer Anlegestelle wurde die Gruppe von einer Patrouille bewaffneter Dänen gestellt und zurück nach Svendborg gebracht, wo sie zunächst im Keller der Truppenunterkunft unter Arrest gestellt und nach Verlegung des Batallions in die Geltinger Bucht an Bord des Tenders "Buéa" eingesperrt wurden. Als die Gefangenen am 7. Mai von der bevorstehenden Gesamtkapitulation erfuhren, rechneten sie nicht mehr mit drastischen Konsequenzen für ihren Fluchtversuch. Diese Annahme bestätigte sich jedoch nicht.

 

Die vier Soldaten wurden dem Kommodore der Schnellbootwaffe, Kapitän zur See Rudolf Petersen, übergeben, der die Gerichtsbarkeit über die Soldaten ausübte.

Schon einige Tage vorher verweigerte die Besatzung des Minensuchbootes M-612 den Einsatzbefehl, was für Petersen auf Illoyalität innerhalb seiner Truppe hindeutete. Diesem Verhalten wollte er mit eiserner Härte entgegenwirken und berief schnellstmöglich ein improvisiertes Kriegsgerichtsverfahren für den 9.Mai 1945 ein. Den Angeklagten wurde dabei kein juristischer Beistand gewährt, was wiederum verdeutlicht, dass es dem Gericht nur um eine schnelle Urteilsfindung ging. Die Anklagevertretung drängte durchgehend auf ein Todesurteil für alle Angeklagten, lediglich Kurt Schwalenberg gelang es sich zu verteidigen und so das Todesurteil abzuwenden.

 

Die anderen drei Beschuldigten wurden ohne Begründung und Chance auf ein Gnadengesuch zum Tode durch Erschießen verurteilt. Die Vollstreckung wurde auf den nächsten Tag festgesetzt. Es gab Tendenzen die Ausführung des Urteils zu verhindern, jedoch fürchteten einige ähnlich harte Strafen bei einer Meuterei und ein Großteil hielt die Urteile trotz der Härte für gerechtfertigt.

Am 10. Mai wurden die Verurteilten an Deck der "Buéa" durch eine Salve erschossen und anschliessend mit einem Gnadenschuß gerichtet. Die Leichen wurden mit Gewichten beschwert und im Meer versenkt.

Quelle: http://norgaardholz.jimdo.com/

Mehrere Gerichtsverfahren gegen fünf Personen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit endeten nach geringfügigen Gefängnisstrafen in 1948 und 1949 letztinstanzlich in 1953 mit Freisprüchen.

Für Fritz Wehrmann ist in 2007 in Leipzig ein Stolperstein gelegt worden.


Ingrid Pee    2013

 

Die Ziele des Vereins

TERMINE 2017

Veranstaltungen der VHS, bei der wir Kooperationspartner sind

23.11.17 - 19.30 Uhr

Vortrag von Jens Fleming

Die Ministerialbürokratie und die Judenmörder

5 €

24.11.17 - 17.00 Uhr

Filmvorführung

Die Wannseekonferenz

 

30.11.17 - 19.30 Uhr

Vortrag von Gunnar Richter

Die Chefs der Kasseler Gestapo

5 €

 

7.12.17

Buchvorstellung

An Frieda Sichel und ihre Familie erinnern vier Stolpersteine. Sie selbst schrieb 1976 mit "Challenge of the Past" ihre Lebenserinnerungen. Mehr als 40 Jahre später erscheinen diese nun endlich erstmals auf Deutsch im Verlag Hentrich & Hentrich - herausgegeben vom Archiv der deutschen Frauenbewegung und Wolfgang Matthäus von Stolpersteine in Kassel e. V.:

Frieda Sichel, Die Herausforderung der Vergangenheit

Wir stellen das neue Buch vor.

 

7.12.17  19:00 Uhr

Kirche im Hof

Friedrich-Ebert-Straße 102

Teilnahme kostenlos

 

2018

 

voraussichtlich im März

weitere Steinverlgungen