Abraham Kott und Anna Channa Kott geb. Ziering

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Als wir im Jahr 2014 die Stolpersteine für die zweijährige Jutti Ziering und ihre Mutter Zilla, geborene Spatz verlegt haben, ist uns schon aufgefallen, dass es noch weitere Angehörige der Familie gab. Aber zum einen lag unser Fokus auf den Kindern und zum anderen glaubten wir damals noch, dass Stolpersteine nicht für Überlebende gelegt werden.

Dadurch haben wir uns mit dem Vater von Jutti und den anderen Familienmitgliedern nicht weiter beschäftigt. Mittlerweile sehen wir einiges anders. So haben wir schon etliche Steine für Menschen, die das Grauen der Vernichtungslager überleben konnten oder die sich der Vernichtung durch Flucht haben entziehen können, mit Stolpersteinen geehrt.

Als sich im letzten Jahr überlebende Angehörige der Familie Ziering an uns gewendet haben und wissen wollten, ob wir auch für weitere Familienangehörige Stolpersteine verlegen könnten, haben wir uns mit den bisher übersehenen Familienmitgliedern beschäftigt.

So kommt es jetzt dazu, dass wir jetzt für seine Schwester Anna, verheiratete Kott und seinen Schwager Abraham Kott Steine verlegen.

Anna Channa Ziering wurde am 20.4.1907 in Kalusz (Galizien) geboren. Ihre Eltern waren Tzvi Khaim Ziering und Rivka Nussbaum. Die Zierings stammen aus Kalusz (deutsch: Kalusch), einer ukrainischen Stadt am Fuße der Karpaten. Kalusz gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zu Österreich-Ungarn, wurde zerstört und fiel nach dem sowjetisch-polnischen Krieg (1921-23) an Polen.

Anna hat vier ältere Brüder: Joseph (*1.4.1888), Isaak (*23.11.1895), Leo Leib (* 3.12.1900) und Benjamin Benno (*10.3.1903). Als die Brüder 1920 nach Deutschland auswandern, bleibt die damals 13-jährige zurück bei den Eltern in Kalusz. Als dann 1929 der Vater stirbt, zieht sie zusammen mit ihrer Mutter Rivka Nussbaum zu ihren Brüdern nach Kassel. Dort heiratete sie am 3.12.1929 den Kaufmann Abraham Kott.

Abraham Kott wurde am 11.April 1899 in Sulejow/Pietrkow, Polen geboren. Er war Bäcker und handelte mit Altwaren und Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Er betrieb ein kleines Ladengeschäft in der Mittelgasse 66 (1925) und in der Jägergasse 5 (1929), in der Mauerstraße 6 (1931, am Pferdemarkt 58 (1933), in der Mittelgasse 53 (1934 – 1936) und ab 1937 wohl auch von seiner Wohnung aus in der Jägerstraße 5.

Dort wohnten die Kotts auch schon ab dem 15.3.1934 in einer 3-Zimmer-Wohnung. Ab 1934 wohnte bei ihnen auch  Annas Mutter Rifka, die zunächst bei Bruder Leo in der Jägerstraße 7 untergekommen war. 

In der Kristallnachtaktion 1938 wurde das Ladenlokal von Abraham Kott zerstört und geplündert. Im Mai 1939 wurde das Ehepaar an die polnische Grenze transportiert und sollte abgeschoben werden. ( …….) Wenige Wochen später, Anfang Juli 1939 beantragt Abraham für sich und seine Frau bei der Gestapo ein Führungszeugnis zwecks Ausreise in die USA. Dazu kommt es aber nicht. Stattdessen flieht Abraham am 1.9.1939 zunächst allein nach England.

Anna Kott blieb alleine zurück und wohnte weiter in Jägerstraße 5. Sicher hat sie noch Kontakt gehabt zu ihrem Bruder Leo, der im Haus nebenan wohnte und auch mitbekommen, wie Leo geflohen ist und dass ihre Schwägerin Zilla und deren Tochter Jutti im Dezember 1941 deportiert wurden. Ein Vierteljahr später, am 14.3.1942 wurde sie in die Mittelgasse 53 umquartiert und am 1.6.1942 nach Majdanek deportiert. Am 3.6. 1942 wurde sie in Sobibor ermordet.

ADRESSBUCH: Sie wohnten in der Entengasse 13 (1929), Mauerstraße 6 (1930), Mittelgasse 33 (1931), Pferdemarkt 58 (1932), Jägerstraße 5 (1934) und Mittelgasse 53 (1942).

 

Quellen:

Stadtarchiv KS, Hausstandsbücher Bestand A 3.32 HB 102, 198, 321, 358, 443, 457, 508

International Tracing Center Bad Arolsen https://digitalcollections.its-arolsen.org/

Hessisches Staatsarchiv Wiesbaden 518/ Nr. 518/ 3 36601, 67082, 67083,

Hessisches Staatsarchiv Marburg, HSTAM 270 KS Nr. 5964

B. Kleinert und W.Prinz: Namen und Schicksale der Juden Kassels – 1933 bis 1945, Kassel 1986

Helmut Thiele: Die jüdischen Einwohner zu Kassel, Kassel 2006

Gedenkbuch Bundesarchiv https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch

www.yadvashem.org

 

Jürgen Strube im Novembef 2020

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