Pferdemarkt 15 (früher Kastenalsgasse 5)

 

ZACHARIAS HARRY ROSENBERG

PAULA PNINA RIVKA ROSENBERG
REBEKKA ROSENBERG
SAMUEL MARKUS ROSENBERG

  

Verlegung am 9.Juli 2019

 

 

 März 2018 haben wir im Weißen Hof 4 vier Stolpersteine für den Vater von Zacharias Rosenberg und dessen Familie aus 2. Ehe verlegt. Vater Berek wurde 1939 in Buchenwald ermordet, Stiefmutter Raijsla wurde am 9.12.1941 nach Riga deportiert und Halbbruder Jakob wurde von Belgien aus im August 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur Zacharias‘ Halbschwester Gertrud überlebte, dank ihres Kindertransportes nach England. Sie hat ihrer ermordeten Familie 1992 in Yad Vashem Gedenkblätter einrichten lassen und sich noch 2007 bei der Stadt Kassel nach ihrer Familie erkundigt. Inzwischen 90 Jahre alt, könnte sie verstorben sein; unsere Kontaktversuche bleiben unbeantwortet.  

 

Nun zu Familie Zacharias ROSENBERG, die im Herbst 1933 nach Palästina auswanderte.

 


 Der Vater Zacharias Harry ROSENBERG, geboren am 10. Mai 1903 in Lodz, Polen war gelernter koscherer Fleischer und SPD-Mitglied, arbeitete auch als Seiler und später als Hilfs- und Bauarbeiter in Palästina. Dort fand er keine Arbeit in seinem Beruf und konnte seine Familie mit Bau- und Hilfsarbeiten kaum ernähren, das hat ihn sehr belastet. Dazu kamen bald zunehmende Gesundheits-probleme, er konnte nur Teilzeit arbeiten. Umso dringender war die Familie auf Wiedergutmachungs- leistungen aus Deutschland angewiesen. Mit 66 Jahren starb er am 27.2.1969 in Haifa.

Die Mutter Paula Pnina Perl ROSENBERG, geb. Feldstein, wurde am 8. August 1903 in Ciehslice, Polen, geboren. Sie starb 1976 in Israel.

 

Die Eltern hatten am 17. Juni 1931 in Kassel geheiratet, hier kamen ihre beiden Kinder noch zur Welt, die immer bedrohlicher wurde. Bis Oktober 1933 lebte die Familie in der Kastenalsgasse  5 -  im Nachbarhaus Nr. 7 wohnte damals Großvater Berek mit seiner zweiten Familie.  

 

Tochter Rebekka wurde am 3. März 1932 geboren und war 1 ½ Jahre alt, als die Familie im Herbst 1933 aus Deutschland flüchtete. Im Sommer 1934 starb sie in Palästina.

Der Sohn Samuel Markus wurde am 12. September 1933 ebenfalls in Kassel geboren. Das Baby war noch keine 2 Monate alt, als die Familie im Nov. 1933 per Schiff über Triest ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina aufbrach. Nach über 85 Jahren können wir ihn heute mit seiner Familie hier begrüßen. 

Die Großfamilie in den 1930er-Jahren
Die Großfamilie in den 1930er-Jahren

 Samuel Markus - hebräisch Shmulik -  ROSENBERG wurde Elektroingenieur und hatte vor Jahren Kontakt zu Kasseler Kollegen, die er anlässlich der Synagogeneinweihung 2000 hier auch besuchte. Seine Frau ist seit vielen Jahren sehr krank, er pflegt sie selbst. Das Ehepaar lebt in Haifa und hat 3 erwachsene Söhne und mehrere Enkel, auf die sie sehr stolz sind, der Jüngste ist 7 Jahre alt.

Dort traf Stolperstein-Mitglied Frank-Matthias Mann ihn anlässlich seiner Israelreise im Sommer 2018; sie sind seitdem in Kontakt geblieben. 

Samuel Markus Rosenberg (Foto als Schulkind) erzählt am Telefon: 

„Mein Vater Zacharias hat in Kassel in einer angesehenen Metzgerei gearbeitet. An einem Abend kamen drei SA-Männer und haben nach Würsten und Fleisch verlangt. Sie rafften alles zusammen und wollten die Metzgerei ohne zu bezahlen verlassen. Als Zacharias sie fragte, was mit bezahlen sei, beschimpften  sie ihn:  „Halt’s Maul, du schmutziger Jude! Sei froh, dass du noch am Leben bist!“ und schlugen ihn zusammen.            Abends machte sich Mutter Pnina Sorgen, denn Zacharias kam nach der Arbeit nicht nach Hause. Sie ging zur Metzgerei und fand ihren Mann blutüberströmt, zusammengeschlagen  im Laden. Sie rief einen Krankenwagen und Zacharias wurde wieder gesund gepflegt.                        In der Jüdischen Gemeinde sorgten sich Mitglieder über die Zunahme roher, antisemitischer Hetze und Brutalität. Einige begannen ihre Koffer zu packen und Deutschland tatsächlich zu verlassen. Nach den Vorfällen in der Metzgerei beschloss auch Vater Zacharias ein paar Habseligkeiten zusammen zu packen und seine wenigen Möbel zu „Schleuderpreisen“ zu verkaufen. Einige Sachen schickte er zu Bekannten nach Warschau. Über Triest reiste er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Palästina – Eretz Jisrael – British Mandat. Bis weit nach der Staatsgründung lebte die Familie in einer Baracke, ohne Strom. Die Toilette und die Dusche lag außerhalb der Hütte.  Als Träger schuftete der Vater. Unter den schwierigen Umständen verstarb Samuels Schwester Rebekka.

Mutter Pnina lernte im „Ulpan“ Ivrit, das moderne Hebräisch. Untereinander sprach die Familie Deutsch, die Eltern benutzten jiddische und polnische Wendungen. Erst im Kindergarten lernte auch Samuel Shmulik  Hebräisch.“

Quellen:

„Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 - 1945“, Kassel 1986, bearbeitet von B. Kleinert und W. Prinz, Hrsg. Magistrat der Stadt Kassel  Stadtarchiv Kassel Adress- und Hausstandsbücher A 3.32 HB 471 und 340                                                                                                 Hess. Haupt- und Staatsarchiv Wiesbaden: hhstaw 518  6428 4.1-009, 010, 4.2 004, 6740 9 003 und 004,  6741, 6691 sowie K 056-43-03-A      Privatfotos der Familie Rosenberg                                                                                                                                                  Telefonnotiz Frank Matthias Mann 2019

                                          Gudrun Schmidt, Frank Matthias Mann im Mai 2019

           

Die Ziele des Vereins

TERMINE  2019

Verlegung von neuen Stolpersteinen am                  9. Juli 2019                   19. September                22. Oktober

 

mehr Informationen demnächst  hier