Pallotinerbruder Johann Albert Kremer

Leipziger Straße 145

Über den Pallotinerbruder heißt es in „Volksgemeinschaft und Volksfeinde“:

 

Johann Albert Kremer - sein Ordensname war Johannes Leodegar - wuchs als Sohn eines wohlhabenden Mannheimer Kaufmanns in der Sicherheit eines großbürgerlichen Elternhauses auf. Nach dem Abitur und dem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre. Gegen die Absichten des Vaters ("Ich wollte aus ihm einen tüchtigen Kaufmann machen, das ist mir aber nicht gelungen.") nahm er, durch Freunde bestärkt, Verbindung zum Orden der Pallotiner auf. Er besuchte 1921 deren Limburger Mutterhaus und bat nach wenigen Wochen um Aufnahme in den Orden. In den folgenden Jahren arbeitete er still und zurückgezogen in der Kanzlei und in anderen Tätigkeitsbereichen des Limburger Ordenshauses, bis dieses im Sommer 1941 von der Frankfurter Gestapo mit Hausdurchsuchungen und zahllosen Verhören überzogen wurde. Unter dem Vorwand, dass der Orden gegen das Verbot kirchlicher Sammlungen und gegen andere Auflagen verstoßen habe, wurden Ordensbrüder, unter ihnen auch Kremer, von der Gestapo verhaftet; man wollte ihnen Aussagen abnötigen, die den Orden belasten konnten. Im Februar 1942 schließlich wurden die Besitztümer des Pallotinerordens, wie die anderer Orden auch, beschlagnahmt und die Räume des Limburger Hauses versiegelt. Kremer wurde in die Junkers-Flugmotorenwerke in Bettenhausen dienstverpflichtet. Von manchem im Betrieb und in der Wohngegend wurde ihm das Leben schwer gemacht.

 

An seine Tür wurden Zettel geklebt: "unerwünscht" oder "kannst gehen". Seine engeren Arbeitskollegen begegneten ihm im Verlauf der folgenden zwei Jahre zunehmend mit Sympathie; einige gewann er zu Freunden. Eine Stütze fand Kremer auch in der Arbeitergemeinde St. Kunigundis in Bettenhausen. Die Geistlichen und aktiven Mitglieder dieser Gemeinde wurden ihrer oppositionellen Haltung wegen seit Jahren von der Gestapo scharf überwacht. Zwei Priester aus Bettenhausen waren in den ersten Kriegsjahren wegen "staatsfeindlicher und defätistischer Äußerungen" verurteilt worden. Hier waren auch die mutigen Predigten des Bischofs von Münster, Graf Galen, gelesen und verbreitet worden. Am 30. Juni 1944 wurde Johann Albert Kremer erneut verhaftet. Eine Angestellte der Junkers-Werke, die er einmal wegen ihrer Grobheit gegen ausländische Arbeiter zurechtgewiesen hatte, verfolgte ihn seitdem argwöhnisch und hat ihn schließlich wegen "zersetzender" Äußerungen angezeigt. Es folgten Verhöre durch die Kasseler Gestapo und die Einlieferung in das Gefängnis in der Leipziger Straße. Ihm in den Mund gelegte abfällige Äußerungen über das Regime mussten herhalten, um ihm den Prozess zu machen. Anders als in vielen ähnlichen Fällen, die vom Kasseler Sondergericht verhandelt und in denen zumeist "nur" Haftstrafen verhängt wurden, wurde der Ordensbruder Kremer vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Freislers Mordgericht verurteilte ihn am 4. Oktober 1944 "wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung" zum Tode durch das Fallbeil.

 

Die Tatsache, dass Kremers Äußerungen in einem Rüstungsbetrieb gefallen waren, hatte für das Todesurteil genügt. Die Versuche der Angehörigen und des Ordens, Kremer zu retten, blieben ohne Erfolg. Am 6. November 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

 

Quelle: Volksgemeinschaft und Volksfeinde. Kassel 1933-1945, hg. von Jörg Kammler und Dietfrid Krause-Vilmar, Fuldabrück 1984, S. 372

 

W.M., Februar 2016

 

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