Friedrich Herbordt

Müllergasse 6 (früher 20)

Friedrich Herbordt kann zu Recht als echter Kasseläner bezeichnet werden, denn sowohl er selbst, wie auch sein Vater Julius Herbordt und seine Mutter Marie Dörr sind in Kassel geboren. Sie haben 1895 in Cassel geheiratet. Friedrich Hermann Theodor ist am 20. November 1899 zu Welt gekommen. Er hatte 4 Geschwister: Antonie – JG 1896, Heinrich – 1898, Luise – JG 1905 und Eva – JG 1912. Die ersten Kindheitsjahre hat Friedrich in der Sternstraße ganz nah an der Drahtbrücke erlebt. Nach einigen Umzügen hat die Familie ab 1910 in der Oberen Karlsstraße 21 gelebt. Vater Julius Herbordt hat hier eine Naturalien- und Lehrmittelhandlung betrieben.

„Von 1906 bis 1910 besuchte der junge Friedrich Herbordt die Bürgerschule 15 in der Sedanstraße, wurde dann Schüler des Realgymnasiums I in der Wilhelmshöher Allee und kam bis zur Oberprima-

Reife, als er mit 17 Jahren Soldat wurde, den Krieg von 1916 bis 1918 mitmachte und das Kriegshandwerk von seiner bittersten Seite an der Westfront kennenlernte. 1919 wurde er aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Er kehrte im gleichen Jahre noch einmal in die Schule zurück und holte sein Abitur mit Auszeichnung nach. Die Nachkriegs- und Inflationsjahre zerschlugen alle Pläne, die auf ein Hochschulstudium hinzielten.“

Er wandte sich dem Journalismus zu, volontierte an der „Kasseler Allgemeinen Zeitung" und wurde dann an der „Waldeck'schen Zeitung" in Bad Wildungen Redakteur, bis ihn 1922 die allgemeine Zeitungskrise aus dem Beruf warf.“

 

1922 bis 1924 arbeitete er im Bergbau, auf dem Bau und als Bankangestellter. Danach ist er mit dem Marionettentheater Karl Magersuppes übers Land gezogen. Seiner Liebe zu den „Holzköppen“ ist er ein Leben lang treu geblieben. Als Reklamemaler und selbständiger Grafiker hat er sich bis 1933 durchgeschlagen.

1921 bis 1929 war er in der Oberen Karlsstraße gemeldet. Ab 1929 in der Müllergasse 20 im Hinterhaus 1. Stock, bis 1935.Aus dieser Zeit schildern Freunde und Angehörige ihn und sein bohemhaftes Leben in den liebenswürdigsten Farben, vermerken die HN im Nachruf.

 

Das Jahr 1933 wurde schicksalhaft für Friedrich Herbordt. Zwar hatte er sich schon seit vielen Jahren den linksgerichteten politischen Kreisen zugewandt, doch wurde er erst 1933 recht eigentlich aktiv, als er sich der kommunistischen Widerstandsbewegung anschloss, und zwar zunächst der Gruppe des Lehrers Hans Siebert (1910 – 1979). Dann, als er mit knapper Not der Verhaftung entging, stellte er sich der Widerstandsgruppe des Gewerkschaftlers Martin Hartmann (1907-1963) zur Verfügung und war maßgeblich an der Herausgabe der illegalen KPD-Zeitung „Der Kämpfer“ beteiligt, die bis zur dritten Ausgabe erscheinen konnte. Im September 1933 wurden alle Mitglieder dieser Gruppe verhaftet, und für Friedrich Herbordt begann hier eine Leidenszeit.

 

Bis zum Ende des Jahres 1933 wurde Herbordt im KZ Breitenau bei Kassel festgehalten und Anfang 1934 von einem Kasseler Gericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung nahm Herbordt sofort Beziehungen zu der letzten größeren kommunistischen Widerstandsgruppe in Kassel auf, die sich um Kurt Finkenstein gebildet hatte. Treibende Kraft dieser Gruppe war der ehemalige KPD- Reichstagsabgeordneter Ernst Lohagen. In den nächsten Jahren wurde nach und nach auch diese Gruppe verhaftet und zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Der Tagesbericht der Stapo Kassel vom 23. Juli 1937 führt folgende Personen als verhaftet auf:

Walter Bönning, Walter Buda, Traugott Eschke, Paul Jörg, Paula Lohagen, Ilse Nesse, Anni Oheim, Georg Pretz, Heinrich Prior, Karl Prior, Käthe Westhoff und Eduard Wilhelm.

Kurt Finkenstein und Paula Lohagen sind nach ihrer Strafhaft später in Auschwitz ermordet worden.

 

Herbordt wurde 1937 zum zweiten Male von einem Kasseler Gericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Gefängnis verurteilt ohne Anrechnung der monatelangen Untersuchungshaft, im Wesentlichen wegen seiner Kontakte zu Kurt Finkenstein. Die 3 Jahre verbüßte er im Gefängnis Wolfenbüttel. Den Praktiken der Gestapo gemäß wurde er anschließend in Schutzhaft genommen bis zum 31.3.1944. Während der 38 Monate dauernden Schutzhaft verbrachte er die Hälfte im Polizeigefängnis Kassel-Königstor. Die andere Zeit war er im Keller der Dienstelle des Höheren SS- und Polizeiführers zu Waldeck im Druseltal. Er hatte die Heizung zu bedienen und andere Hausarbeiten zu verrichten.

 

Nach der Befreiung gehörte er ab September 1946 dem Redaktionsstab der Hessischen Nachrichten an. Zunächst im Sportressort, dann dank seiner einzigartigen Kenntnisse vom alten Kassel und der hessischen Geschichte im Bereich Kunst und Kultur. Seine 213 Bilder aus dem alten Kassel‘ bleiben in Erinnerung.

Die Jahre der Haft haben seiner Gesundheit Schaden zugefügt. Nach wochenlangem schwerem Krankenlager ist Friedel Herbordt am 8. Mai 1958 gestorben.

 

Friedrich Herbordt war verheiratet mit Martha Strube, die ihm auch in den Jahren der Haft treu verbunden war. Die Ehe war kinderlos. Martha Herbordt ist 1982 verstorben

 

Jochen Boczkowski im Juni 2022

 

Quellen:   

Stadtarchiv Kassel:   Meldeakten,   Adressbücher Kassel

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden:     E-Akten Herbordt – HHStAW Signatur 518 / 2569

Staatsarchiv Marburg:     Strafakten Herbordt u. A. – HStAM 254 / 230

Hessische Nachrichten vom 9.5.1958:                              https://www.meinehna.de/archive/pdf/v1/4f5a3a36-98e1-345c-aa96-2fcb18a3e946/hna-1958-5-9-KSS-3/single?source=108_HNA-KSS_1958-05-09_003.pdf

Hans Siebert:      https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Siebert_(P%C3%A4dagoge)

https://www.die-holzkoeppe.de/ueber-uns/geschichte-der-holzkoeppe/

 

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