Emma Reimers geb. Weinberg

Wilhelmshöher Allee 123

Emma Reimers stammte aus Elbing in Ostpreußen, wo sie am 26. November 1871 als Tochter des Kaufmanns Simon Weinberg und seiner Frau Antonie in eine weit verzweigte jüdische Familie geboren wurde. Sie war deren jüngstes Kind und hatte die vier Geschwister Helena Rosa, Siegmund, Betty und Leopold. In ihrer Heimatstadt lernte Emma Weinberg den am 25. Februar 1865 im niedersächsischen Hude geborenen Otto Reimers kennen, der in Elbing als Ingenieur für eine Werft tätig war. Nach der Verlobung der beiden ging Otto Reimers zunächst für vier Jahre nach Denver (Colorado), bevor das Paar am 15. November 1897 heiratete und anschließend nach Berlin zog. Der berufliche Werdegang der Ehemanns führte zu weiteren Umzügen nach Wildau in Brandenburg, wo Otto Reimers bei Schwarzkopf arbeitete, nach Linden bei Hannover mit der Tätigkeit bei Hanomag und nach Düsseldorf

Die Tochter Elisabeth kam am 18. September 1898 noch in Berlin zur Welt, in Hannover wurde sie eingeschult. Die Söhne Willy und Johannes Friedrich Otto starben als „Frühchen“ bzw. auf Grund einer fehlenden Schilddrüse schon früh nach ihrer Geburt, so dass Elisabeth das einzige Kind blieb.

Wahrscheinlich wiederum aus beruflichen Gründen kam die Familie 1914 nach Kassel und wohnte zunächst in der Herkulesstraße 27, ehe sie im März 1924 in die Wilhelmshöher Allee 123 umzog. Otto Reimers war dem Adressbuch nach inzwischen Oberingenieur und arbeitete für Henschel. Im Rahmen dieser Tätigkeit erwarb er mehrere Patente. Die Tochter Elisabeth heiratete in den 20er Jahren den Zahnarzt Dr. Kurt Mohr, mit dem sie den Sohn Ludwig hatten. Ein Foto aus dem Jahr 1929 zeigt das Ehepaar Reimers mit ihrem einzigen Enkel.

Die junge Emma Reimers - Emma und Otto Reimers - Das Ehepaar mit dem Enkel Ludwig.

Emma Reimers, die in einer „Mischehe“ lebte, war 1933 Zeugin einer Terrorwelle, mit der Staat und Partei schon in den ersten Wochen und Monaten der NS-Herrschaft das Land überzogen – vor allem auch in Kassel – und die neben den politischen Gegnern auf die jüdische Bevölkerung abzielte. Das mag zu ihrem Entschluss geführt haben, im Mai 1933 vor dem Amtsgericht ihren „Austritt aus dem Judentum“ zu vollziehen, wie im Hausstandsbuch vermerkt ist.

Sie konnte damit nicht verhindern, weiterhin als Jüdin registriert zu sein. So hatte sie 1938 im Anschluss an die Novemberpogrome eine Judenvermögensabgabe von 2.000 RM zu bezahlen. Welchen Diskriminierungen und Entrechtungen sie persönlich seit 1933 und vor allem nach dem Tod ihres Mannes am 6. Juli 1940 ausgesetzt war, wissen wir nicht. Sicher ist, dass sie seit dem 19. September 1941 wie alle Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich den „Gelben Stern“ tragen musste. Ihre Wohnung teilte sie nach dem Bombenangriff vom Oktober 1943 mit der Familie ihrer Tochter, deren Haus in der Nordstadt zerstört worden war. Für Emma Reimers wurde die Last am Ende zu groß, von Deportation und Ermordung bedroht zu sein. In der Familie ist überliefert, dass ihr Schwiegersohn Kurt über „gute Beziehungen“ verfügte und so von einer drohenden Deportation seiner Schwiegermutter erfuhr. Am 31. Januar 1945 setzte Emma Reimers im Beisein ihrer Tochter Elisabeth ihrem Leben selbst ein Ende.

 

Der Stolperstein wurde angeregt durch Dr. Steffen Stranz und Dr. Judith Schult.

 

Wolfgang Matthäus, Mai 2022

 

Quellen und Literatur

 

Stadtarchiv Kassel

Hausstandsbücher

HHStAW

518 68296 (Entschädigungsakte Emma Reimers)

Mitteilungen von Dr. Steffen Stranz und Dr. Judith Schult

Einträge zur Familie Weinberg aus Elbing bei geni.com

 

 

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