Wilhelm Pfromm

Die Freiheit 11 (früher Marktgasse 21)

Wilhelm Pfromm ca. 1925
Wilhelm Pfromm ca. 1925

Wilhelm Pfromm ist am 6. Oktober 1905 in Sandershausen geboren. Als Kind ist er mit seinen Eltern in 1908 nach Kassel gezogen. Sein Vater Otto Pfromm, * 1879 in Reichensachsen, war Fensterputzer. Sie haben in der Mittelgasse gewohnt.  Er besuchte die Bürgerschule 1 in der Sedanstraße.

 Am 24. März 1928 heiratete er Auguste Haferburg, Jahrgang 1909, aus Niederzwehren. Zunächst fand das Paar in der Waisenhausstraße in der Kasseler Unterneu­stadt eine Wohnung. In 1931 zogen sie dann in die Marktgasse 21. Das Haus und auch die Straße gibt es nicht mehr. Sie verlief etwa in der Mitte zwischen „Die Freiheit“ und „Kurt-Schumacher-Straße“.

 In 1928 ist Tochter Annemarie geboren worden. Und in 1935 kam Sohn Robert zur Welt gekommen.

 Schon in jungen Jahren hat sich Wilhelm der revolutionä­ren Arbeiterbewegung zu gewandt und folgerichtig dem Kommunistischen Jugendverband angeschlossen. Er war Heizer bei der Reichsbahn. Es gibt einen Ausweis mit Lichtbild aus dem Jahre 1927, der ihn für den Verkehr zwischen Ostpreußen und dem Reich berechtigt. Wann er Mitglied der KPD geworden ist, kann nicht geklärt werden.

Wilhelm Pfromm ca. 1930
Wilhelm Pfromm ca. 1930

Er war vom Oktober 1933 bis März 1934 in Schutz- und Untersuchungshaft, davon 3 Wochen im frühen Konzentrationslager Breitenau bei Guxhagen. In dieser Zeit überstand er ein Strafverfahren vor dem Strafsenat des Oberlandesgerichts Kassel wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Es endete für ihn mit Freispruch mangels Beweises. Für einige Mitangeklagte gab es Gefängnis- und Zuchthausstrafen bis zu 2 Jahren.

 Willi Belz setzt in seinem 1960 erstmals erschienen Buch „Die Standhaften“ ein Denkmal für Wilhelm Pfromm:

„Ungewöhnliche Standhaftigkeit zeichnete u.a. Willi Pfromm aus. Aus dem Henschelbetrieb heraus verhaftet, hatte er trotz Folter bei der Gestapo keinerlei Angaben über die illegale Tätigkeit gemacht. Am 17. Februar 1934 vor Gericht gestellt, wurde er mangels Beweisen freige­sprochen, aber sofort in ein KZ eingesperrt. Von dort entlassen, musste er sich verpflichten, sich nie mehr gegen den NS-Staat zu betätigen. Aber schon kurz danach suchte er Verbindung zu Ernst Lohagen (illegale KPD-Bezirksleitung) und arbeitete bis zu seiner erneuten Verhaftung am 25. Januar 1936 in der illegalen Organisa­tion.“

 

Am 7. August 1936 hat der II. Strafsenat des OLG Kassel das freisprechende Urteil vom Februar 1934 aufgehoben und Wilhelm wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens zu 7 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Mitangeklagt und ebenfalls zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden:

Hans Hinz – JG 1905, Fritz Dornemann – JG 1902, Franz Buda – JG 1902, Willi Paar – JG 1909, NN Stephan – JG 1902, Karl-O.Pfromm – JG 1911, Max Mayr – JG 1896, Willi Schiftan – JG 1896, Franz A. Kramer - JG 1907.

Von 1933 bis 1945 richteten die Nazis insgesamt 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager im Emsland ein. Davon waren Rhede-Brual und Aschendorfer Moor Strafvollzugslager unter Aufsicht der Justizverwaltung. Da in den Dokumenten diese beiden Lager benannt sind, kann davon ausgegangen werden, dass Willi Pfromm dort inhaftiert war.

Das Lager Aschendorfermoor wurde als Justizgefangenenlager geplant und war im April 1935 für 1.000 Gefangene aufnahmebereit. Die Häftlinge kamen aus dem gesamten Reich und waren fast alle zu Zuchthausstrafen verurteilt worden. Sie wurden vorrangig zu Arbeiten im Moor eingesetzt (Entwässerung, Straßen- und Wegebau, Torfabbau). Von Juli 1937 bis Mai 1940 zog man aus den im Emsland bestehenden Lagern alle aus politischen Gründen Inhaftierten in Aschendorfermoor zusammen, um sie besonders zu "erziehen". Davon waren im gesamten Zeitraum etwa 2.200 politische Gefangene betroffen. Sie wurden von bis zu 300 SA-Männern und Justizbeamten bewacht. Die Häftlinge mussten je nach Jahreszeit zwischen 8-10 Stunden täglich im Moor arbeiten. Die Verpflegung war schlecht und im Verhältnis zur harten Arbeit nicht ausreichend. Über diese allgemeine Tortur hinaus waren die Häftlinge vielfachen körperlichen und seelischen Misshandlungen durch die Willkür der Wachleute ausgesetzt.

Ein Dokument vom 15. Mai 1940 schließt Wilhelm Pfromm wegen der Zuchthausstrafe für dauernd vom Wehrdienst aus. Es ist in Aschendorfermoor ausgestellt.
Ein Dokument vom 15. Mai 1940 schließt Wilhelm Pfromm wegen der Zuchthausstrafe für dauernd vom Wehrdienst aus. Es ist in Aschendorfermoor ausgestellt.

Am 1.10.1942 wird Pfromm vom Lager Oberems bei Gütersloh in das Zuchthaus Münster eingeliefert. Oberems bei Gütersloh war ebenfalls ein Strafgefange­nenlager im faschistischen Deutschland, in denen Häftlinge, anstatt in einem Strafgefängnis untergebracht zu werden, in Industrie oder Landwirtschaft unter Zwang arbeiten mussten. Wann und wie Willi Pfromm vom Emsland in das Lager bei Gütersloh gekommen ist, bleibt ungeklärt. Vom Zuchthaus Münster wurde er dann am 30.10.1943 in das Strafgefängnis Bochum verlegt. Dort ist Wilhelm Pfromm am 12. November 1942 im Alter von nur 37 Jahren gestorben.

 

Jochen Boczkowski

 

Der Stolperstein wurde von Robert Pfromm gestiftet.

 

Quellen:

StadtA KS, Meldekarte  / 2 Fotos Privat  /  Ausschließungsschein Privat  /  Willi Belz: Die Standhaften 1970

Digitales Archiv ITS Bad Arolsen, Teilbestand: 1.2.2.1, Dokument ID: 110649618 – Listenmaterial Gruppe PP),  Teilbestand:          1.2.2.1, Dokument ID: 11677717 – Listenmaterial Gruppe PP),  Teilbestand: 1.2.2.1, Dokument ID: 11638912 – Listenmaterial    Gruppe PP).  /  Krause-Vilmar: Die Schutzhaftgefangenen in Breitenau 1933/34  /         

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