Familie Ernst

Rotenburger Straße 22

Else  Clara  Ernst
Else Clara Ernst

Der Kaufmann Emil Ernst wurde am 22.6.1896 in Herbede (Kries Hattingen) geboren. Er heiratete die am 13.1.1890 in Warburg geborene Clara Weinberg. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Marianne (geb. 20.6.1920) und Erich (geb. 8.2.1924) hervor. Wahrscheinlich seit 1929 lebte die Familie in Kassel.

 

Emil Ernst betrieb bis 1933 in Wilhelmshöhe ein Manufakturwarengeschäft. Am Tag des reichsweiten Boykotts, dem 1. April, floh er in der Niederlande – zunächst offenbar nach Rotterdam, dann nach Amsterdam. Hier versuchte er mit einer Wasch- und Bügelanstalt eine neue Existenz aufzubauen, während seine Frau, die wahrscheinlich danach das Warenlager des Geschäftes verkaufte, mit den beiden Kindern Marianne und Erich zurückgeblieben war. Die Machtergreifung zerriss ein Familie. 1934 nahm Emil Ernst seine Tochter Marianne zu sich, die später einen Niederländer heiratete. Das Exil wurde allerdings bedrohlich, nachdem Deutschland 1940 die Niederlande überfallen und okkupiert hatte. Mariannes Vater arbeitete, laut dem in den Niederlanden erschienenen Buch von Koos Groen: Als slachtoffers daders worden. De zaak van de joodse verraadster Ans van Dijk (Baarn 1994), offenbar im Widerstand und im Untergrund. Vater und Tochter teilten das Schicksal fast aller in den Niederlanden lebenden Juden. Emil Ernst wurde im Mai 1943 in Amsterdam verhaftet und über das Lager Westerbork in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo er am 18. Mai 1943 ermordet wurde. Marianne Samas-Ernst und ihren Ehemann hatten die Deutschen schon vorher in den Tod geschickt. Dem Leben von Marianne Ernst wurde am 3. September 1942 in Auschwitz gewaltsam ein Ende gesetzt.

 

Clara Ernst hatte seit der Trennung der Familie selbst für ihren Lebensunterhalt und zunächst den ihrer Tochter zu sorgen und fand eine Möglichkeit dazu als Köchin und Haushälterin. Wahrscheinlich arbeitete sie spätestens seit 1935 für den Privatier und früheren Mitinhaber der Metallwerke Lieberg im Messinghof in Bettenhausen Carl Lieberg. Mit ihm zog sie 1939 in die heutige Goethestraße 13.

 

Ihr Sohn Erich, 1933 neun Jahre alt, kam bei seinem Onkel Ludwig Weinberg unter und emigrierte in die USA. Dort konnte ihn seine Mutter in Briefen über ihre Situation in Kassel unterrichten. Gegenüber dem Oberfinanzpräsidenten gab sie Ende 1939 ein Einkommen von 60 RM an, bei „freier Station“ im Haushalt Carl Liebergs, der 1940 starb. Als Haushälterin nun arbeitslos, fand sie kurzzeitig Unterkunft im Altersheim in der Mombachstraße, wohnte in der Gießbergstraße und in der Schillerstraße zur Vorbereitung ihrer Deportation nach Theresienstadt am 7. September 1942. Ihr Sohn Erich fand als amerikanischer Soldat in Deutschland nach dem Krieg heraus, dass seine Mutter noch im Oktober 1944 im Ghetto von einem Bekannten gesehen worden war. Der Transport Er-1447 deportierte sie allerdings am 19. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz, wo sie ermordet wurde.

 

Wolfgang Matthäus          2014

 

Quellen: Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933-1945. Ein Gedenkbuch, bearb. von Beate Kleiner und Wolfgang Prinz, Kassel 1986 | Wolfgang Matthäus, Kaiserstraße 13, Kassel 2014

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